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Tier am dickbauchigen Kontrabass

Boppin’B im „Exil“ Tier am dickbauchigen Kontrabass

Einen Time-Warp zurück in die 1950er Jahre hat der Göttinger Live-Club „Exil“ allen Rock’n’Rollern aus der Region ermöglicht, die die Treppenstufen in den alternativen Kellerclub mit den schwarz-weiß gescheckten Bodenfliesen hinabgestiegen sind.

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Immer unter Starkstrom: die fünf Musiker von Boppin’B.

Quelle: EF

Niemand geringerer als das Rockabilly-Urgestein Boppin’B, nach eigenen Angaben ein „Orchester aus Irren“, das seit 1985 tourende Rudel aus Live-Tigern, hatte sich und die Aussicht auf wackelnde Wände angekündigt. Zahlreiche Tollenträger, von Schwalben-Tattoos gezierte Arme und mit Blumen bestückte Frisuren waren im Publikum zu entdecken und repräsentierten neben dem musikalischen Trend eindrucksvoll den Lifestyle einer goldene Ära.

Als Support-Band und heimische Kultgruppe garnierte die „Blues’n’Boogie-Küche“ den Auftritt der fünfköpfigen Aschaffenburger Rocktruppe im Vorlauf mit einer gehörigen Portion schmissigem, swingendem Sound. Wohltemperiert wurde das Publikum empfangen mit einem Cover des Klassikers „Blue Suede Shoes“, das dem Meister selbst wahrscheinlich die Hüften gebrochen hätte, und weiteren Titeln wie „Ice Cream Man“ und „Walking by myself“.

Trotz bereits grooviger Atmosphäre schafften es die Headliner des Abends, noch ein Stimmungs-Pfund drauf zu legen und die bereits wippenden Knie und tappenden Füße zum Tanzen zu bewegen. Die boppenden Jungs um Frontmann Michael Treska verhalfen dem abendlichen Kotelett-o-Meter mit einer Frequenz von vier aus fünf zu einem neuen Höchststand und standen ihrem Publikum in Sachen Rockabilly-Optik in nichts nach. Musikalisch starteten die extrem energiegeladenen Rocker in Baseballhemden sofort voll durch. Wilde Gitarren-, Saxophon- und besonders Kontrabass-Soli brachten die Menge in Wallung, und auch der Mikrofonständer stand keine Sekunde still.
Treska performte publikumsnah und bezog die Fans so oft es ging mit ein. Nicht weiter verwunderlich war es daher, dass die obligatorische Frage: „Do you feel alright?“ traditionsgemäß einstimmig und vollhalsig mit „Scheißkapelle“ beantwortet wurde. Überzeugen und für Stimmung sorgen konnte vor allem Bassist Didi Beck, der auch neben seinem genialen Gitarren-Kollegen Golo Sturm kein bisschen das Klischee eines Background-Musikers erfüllte, sondern mit seinem dickbauchigen Kontrabass die Boxen erklomm und sich den Beinamen „The Animal“ verdiente.

Über 105 pausenlose Minuten lang – inklusive drei Zugaben – versorgten Boppin’B die Exilanten mit schmiedeeigenen Hits und heißen Cover-Versionen: „Hot Rod Girl“, „If You Belief“, „Up jumped the devil“ und „Ein toller Tag“ erschütterten erfolgreich die jungen und alten Rocker-Knochen und veranschaulichten, wie präzise und sauber ein seit 26 Jahren geölter Bandmotor laufen kann. Ein früherer Abgang hätte vielleicht mehr Glamour gehabt und einen Over-The-Top-Moment im Publikum verhindert, aber Boppin’B sind eben Rock’n’Roll. Und das ist auch gut so.

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