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Tim Bendzko: Hip-Hop-Beats statt Herz-Schmerz

Zweites Album Tim Bendzko: Hip-Hop-Beats statt Herz-Schmerz

Vielleicht muss sich Tim Bendzko einfach mal ein bisschen ausruhen. Echo, Bambi, Doppel-Platin, ausverkaufte Konzerthallen, Juror bei „The Voice Kids“ und Teil des deutschen „Eurovision Song Contest 2013“-Komitees.

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Kommt im nächsten Jahr wieder in die Göttinger Lokhalle: Tim Bendzko im Jahr 2012 bei seinem „NDR 2 Soundcheck-Festival“-Auftritt.

Quelle: Vetter

Berlin. Und nicht zuletzt: die Welt retten. Immer und immer wieder, gefühlte 148 713mal am Tag. Das kann selbst den agilsten jungen Mann ermüden.

Deswegen hängt Tim Bendzko jetzt einfach mal ein bisschen rum. Und weil es das Bild des melancholischen Herzschmerz-Lyrikers so schön unterstreicht, das dem 29-Jährigen seit seinem Debüt „Wenn Worte meine Sprache wären“ aus dem Jahr 2011 anhaftet, hängt Bendzko nicht einfach irgendwo rum, nein, er hängt unter dem wolkenlosen Himmel Kapstadts und nennt das Ganze „Am seidenen Faden“.

Wer nun ein weiteres Album über Einsamkeit und verpasste Chancen erwartet, über das Suchen und Nichtfinden der Liebe, wird womöglich überrascht: Ein so zerbrechliches Seelchen, wie Titel und Cover suggerieren, ist dieser Bendzko gar nicht. Schafft man es über den titelgebenden zweiten Track hinaus, eröffnet sich die Gedankenwelt eines hoffnungsvollen jungen Mannes, in dem ungeahnte Zuversicht und ungebrochener Optimismus stecken.

Mal mehr, mal weniger verschwurbelt

Nicht die einzige Neuerung im Vergleich zum 2011er-Modell: Auch musikalisch ist der ehemalige Theologiestudent auf seinem zweiten Album etwas mutiger, experimentierfreudiger. Mal lässt er sich dramatisch von Streichern begleiten („Vergessen ist so leicht“), mal von satten Hip-Hop-Beats tragen („Die Geier kreisen schon“).

Bei seinem Debüt verließ sich der Berliner noch mehr auf den Aha-Effekt seiner markanten, vollen Soul-Stimme, der Fokus von „Am seidenen Faden“ liegt etwas mehr auf dem Handwerk.

Dies geht bisweilen zulasten des Textes. Mal mehr, mal weniger verschwurbelt singt sich Bendzko durch einen Irrgarten menschlicher Empfindungen, die bei aller Interpretationsfreiheit letztlich klarmachen: Die viel besprochene und beschriebene neue Spießigkeit – Bendzko ist einer ihrer Vertreter. Frau, Haus, Kinder? Ja, gern, am liebsten gestern.

Der beatbetonte Sound passt

Der Neospießer ist fest gewillt, das große Glück zu packen und gegen alle Widerstände zu verteidigen. Und wird ihm Unrecht getan, durchlebt er keinen „Falling Down“-artigen Wutanfall, nein: Er setzt sich hinters Steuer seines Wagens und fährt ein bisschen rum, bis die schlafende Stadt und das Mondlicht ihn beruhigt haben, wie Bendzko es in „Durch die Nacht“ beschreibt.

Der schwierigen Aufgabe, seinem gefeierten Debüt ein würdiges zweites Album folgen zu lassen, hat Bendzko sich mutig gestellt. Viel vorwerfen kann man dem 29-Jährigen dabei nicht: Den Weltretter versucht er kein zweites Mal zu spielen, allzu Banales sucht man genauso vergebens wie grobe Ausreißer, der beatbetonte Sound passt, über Tim Bendzkos Stimme ist ohnehin alles gesagt.

Nur behutsam hat er an der einen oder anderen Stellschraube gedreht, und dies ist zugleich die Schwäche von „Am seidenen Faden“: Gern würde man Bendzko mal ohne Leine sehen, ohne Fesseln. Bereit, mal was zu riskieren.

Von Wiebke Westphal

Konzert am Sonntag, 16. Februar 2014, um 19 Uhr in der Lokhalle Göttingen. Tickets sind unter anderem erhältlich in den Tageblatt-Geschäfststellen,

► Jüdenstraße 13c in Göttingen

► Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt oder

► im Internet auf gt-ticketservice.de.

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