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Trabert als Gassengöre und Femme Fatale

Hollaender-Lieder im DT Göttingen Trabert als Gassengöre und Femme Fatale

„Eben lacht es, bums da weint es“ haben Michael Frei und Katharina Trabert ihren Liederabend genannt. Am Freitag sind sie mit Chansons von Friedrich Hollaender im Deutschen Theater in Göttingen aufgetreten. Dafür gab es viel Applaus.

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„Eben lacht es, bums da weint es“ mit Chansons von Friedrich Hollaender: Katharina Trabert (Gesang) und Michael Frei (Klavier) haben sie präsentiert.

Quelle: Niklas Richter

Göttingen. „Eben lacht es, bums da weint es“ haben Michael Frei und Katharina Trabert ihren Liederabend genannt. Am Freitag sind sie mit Chansons von Friedrich Hollaender im Deutschen Theater in Göttingen aufgetreten. Dafür gab es viel Applaus.

Da hockt sie, malt mit Kreide auf den Bühnenboden, als wär es ein Berliner Hinterhof, und singt. Ganz beiläufig, dem Publikum den Rücken zugekehrt, und da hat Katharina Trabert den Zuschauer auch schon für sich eingenommen. „Wenn ick mal tot bin, ach, det wird so schen. … Wenn ick mal tot bin, mach ick wat ick will.“

Mit Gossengöre Trude geht es hinein in ihre Wunschwelten und Träume. Und so wie Trabert in der Figur der Trude strahlt und blinkt, will man ihr auch gerne folgen. Mitten hinein ins „Milljöh“, wo sie ganz unverblümt und ungeschminkt erzählt, wie hart es ist und wie aussichtslos, und wo sie sich das Leben schön träumt.

Friedrich Holländer, auch als Frederick Hollaender bekannt, war Spross einer Musiker- und Theaterfamilie und eine zentrale Figur der Kabarettszene im Berlin der 1920er-Jahre. Für seine erste Frau, Blandine Ebinger, schrieb der Kabarettist, Revue- und Filmkomponist eine Reihe von Liedern, die das Berliner Milljöh aus der Sicht eines jungen Mädchens von der Straße beschreiben.

Hollaenders Lieder sind eine Mischung aus Intimität und Koketterie, aus Sentiment und Anzüglichkeit, aus Sozialkritik und Morbidität. Und Trabert trifft genau den richtigen Ton. Bei Hollaenders Chansons, seinen großartig lebensklugen Texten und mitreißenden Melodien geht es nicht ums schön Singen. Hier geht es um Charakter, um Atmosphäre, darum, authentisch und eine Type zu sein. Trabert verkörpert all dies entwaffnend, forsch und zart zugleich. Ganz Gossengöre, eine kindliche Femme fatale der Hinterhöfe im Trägerröckchen und mit kullernden Augen. Kongenial begleitet von Michael Frei am Klavier, der das Ganze zurückgenommen und doch als Ansprechpartner mal jovial, mal Stirne runzelnd beäugt. Die szenischen Ideen hat Julia Hansen mit viel Gespür gesetzt.

Trabert besingt den Mond als Tröster der Mädchenherzen, tanzt als „Wunderkind“ auf dem Drahtseil, baumelt „mit de Beene“ und wär so gern „ein Sex-Appeal“. Der stärkste Moment des Abends ist gleichzeitig auch der kleinste. Trabert lässt ein winziges Wackelpüppchen „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ singen, das Lied, das Marlene Dietrich einst im Film „Der blaue Engel“ sang und das Hollaender weltberühmt machte. Ein berührender Moment voller Magie, ein toller Liederabend.

Von Karola Hoffmann

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