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Triangel-Töne beschreiben die Erbse

Familienkonzert des Göttinger Symphonie Orchesters Triangel-Töne beschreiben die Erbse

Wahre Prinzessinnen wachsen nicht auf Bäumen. Und wenn dann nach langer Suche urplötzlich eine pitschnass vor der Türe steht? Woran erkennt man bitte, dass es eine Prinzessin ist? Dieser nicht ganz einfachen Aufgabe sieht sich der junge Prinz aus Hans-Christian Andersens Märchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ gegenüber.

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Temperamentvoll: Schauspielerin Imme Beccard.

Quelle: Heller

Das Märchen war jetzt im Rahmen eines Familienkonzertes des Göttinger Sinfonie Orchesters (GSO) in einer kindgerechten und professionellen Fassung von Andreas Tarkmann (Text: Jörg Schade) im Deutschen Theater zu erleben.

Tarkmann, Professor für Instrumentation und Arrangement an der Musikhochschule Mannheim, hat diese Erzählung in ein sinfonisches Märchen verwandelt. Ähnlich wie bei Prokofjews Märchen „Peter und der Wolf“ ist jeder Hauptperson ein Instrument zugeordnet. Dadurch entstehen eindrückliche musikalische Charakter- und Stimmungsbilder. So wird die weise Mutter durch den warmen Klang der Bratsche dargestellt, der umtriebige Prinz durch den sehnsüchtigen Klang der Klarinette, der helle Klang der Flöte stellt die feinfühlige Prinzessin dar und die Kleinheit und Feinheit der Erbse beschreiben die silbrigen Töne der Triangel.

In einem weiteren Werk stand die mit Sprachwitz gespickte und hintergründige Märchenoper von Jacques Offenbach „La Roi Carotte“ (König Karotte) auf dem Programm – ebenfalls in einer Bearbeitung von Tarkmann. Offenbach hatte mit dieser Geschichte über einen königlichen Garten, in dem die Pflanzen lebendig werden, in den 1860er Jahren ein Schlüsselwerk über die politischen Verhältnisse am Pariser Hof geschaffen und Revolution und Königssturz quasi vorweggenommen. Die Geschichte erzählt von einer stolzen Karotte, die sich anmaßt, Herrscherin über den Gemüsegarten zu sein und am Ende feststellen muss, dass ausgerechnet ein Fallobst sie vor drohender Gefahr retten kann. Anders als bei der „Prinzessin auf der Erbse“ malt die Musik hier eher großflächige Stimmungsbilder, um das Machtstreben und den Fall der stolzen Karotte zu umspielen.

Beide Werke präsentierte das GSO unter der Leitung von Christine Strubel in mannigfaltigen Klangfarben, dynamischer Gestaltung, Durchsichtigkeit und viel Spaß an der Musik. Hervorzuheben sind die Solisten, die in der Prinzessin auf der Erbse zur klaren Charakterisierung der Personen beitrugen. Wunderbar begleitet wurde das Orchester von der Erzählerin Imme Beccard, die mit ihrer farbigen Sprachgestaltung, Interaktion mit dem Orchester und dem Publikum sowie ihrer temperamentvollen Mimik das zahlreich erschienene Publikum fesselte. Zusammen schufen Musik und Rezitation klare, fantasievolle und poetische Bilder, hinter denen aber immer noch die Hintergründigkeit und Gesellschaftskritik der Werke durchschimmerte.

Von Claudia Oelze

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