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Überraschende Tiefgründigkeit tanzbarer Musik

„Latin Quarter“ in der Musa Überraschende Tiefgründigkeit tanzbarer Musik

Wenn selbst „Take That“ ein Comeback starten durfte, sei das auch einer anderen britischen Popband erlaubt. „Latin Quarter“ feierte in den 80-Jahren insbesondere in Großbritannien und Deutschland große Erfolge und setzte auf eine Kombination aus eingängiger Musik und politisch-sozialkritischen Texten. Ihre „Reunited“-Tournee führte die Musiker nun in die Göttinger Musa.

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Gutes Team: Frontmann Steve Skaith und Yona Dunsford (rechts) mit weichem Timbre.

Quelle: Theodoro da Silva

Dass die Texte einen besonderen Stellenwert im Konzept der Gruppe besitzen, lässt sich schon daran ablesen, dass „Latin Quarter“ mit Mike Jones schon immer einen eigenen Texter hatte, der kein musikalisches Mitglied der Band ist. Jones schrieb der Gruppe auch den Text zu ihrem wohl größten Erfolg, Radio Africa, der es 1985 in die englischen Singlecharts schaffte. Danach haben sich keine vergleichbaren Erfolge eingestellt, die Band löste sich 1998 schließlich auf.

Ihr Revival ist gottlob keine Seifenblase, es geht nicht um Profit aus alten Erfolgen. Mit „Ocean Head“ hat die Gruppe ein Album aufgenommen, das zehn neue Songs enthält. Diese vermischte „Latin Quarter“ in der Musa mit ihren alten Hits und lieferte damit ein interessantes Panorama aus Themen, die die Band gestern und heute beschäftigt haben.

Die überraschende Tiefgründigkeit, die tanzbarer Musik vielleicht zu oft abgeht, zieht sich immer noch durch ihr Schaffen: Oberflächlich betrachtet kommt der neue Song „Legalise it“ dank seines Titels und den Reggae-Elementen wie ein weiterer Stoner-Song daher, den eigentlich niemand gebraucht hat. Achtet man hingegen auf den Text, wird ein sensibles Gespür für die politischen Probleme der Prohibition und der steigenden Macht der Kartelle offenbar.

Diese Art der Tiefenbetrachtung zwingt die Gruppe ihren Hörern aber niemals auf: Wer möchte, kann auch zum neuen Album einfach nur tanzen. Bassist Greg Harewood ist daran nicht ganz unschuldig: Seine Grooves sind treibend und tun den eigentlich zu oft gehörten Akkordverbindungen sehr gut.

Ebenso hörenswert ist die Stimme des Frontmanns Steve Skaith, die  vom weichen Timbre Yona Dunsfords hervorragend ergänzt wird. Steve Jeffries an den Keyboards hat mit einem kurzen Solo in der Zugabe etwas deutlich gemacht, was man der ganzen Band angehört hat: Hier spielen wirklich gute Musiker eingängige Songs, die ihr musikalisches Potential allerdings nicht voll ausreizen.

Ob die Texte diese Selbstbeschneidung wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. „Latin Quarter“ haben ihre Hausaufgaben jedenfalls gemacht.

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