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Regional Ukulele Orchestra of Great Britain in Göttinger Stadthalle
Nachrichten Kultur Regional Ukulele Orchestra of Great Britain in Göttinger Stadthalle
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00:16 21.01.2013
Britischer Humor bei der Arbeit: Das Ukulele Orchestra of Great Britain spielt Unbekanntes und Hits aus diversen Genres. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Gleich zum Anfang gibt es Geschenke: Neben kleinen Mitbringseln aus England kommt eine Luftpolsterfolie zum Einsatz. Diese diene zum knipsen, falls das Konzert zu langweilig werde, erklärt Dave Suich. Die beiden Musiker sind nicht allein gekommen. Fünf Männer und zwei Frauen sitzen auf der zunächst minimalistisch ausgeleuchteten Bühne.

Gemeinsamkeiten fallen auf: Alle sind in gedeckter Abendgarderobe gekleidet. Den einzigen Farbklecks bildet das rote Kopftuch von Kitty Lux. Die auffallende Fröhlichkeit dieser Farbe – im Vergleich zu dem sonst feinen, aber tristen Schwarz-Weiß der Kleidung des Orchesters – steht im Zwiespalt zu ihrer Darbietung. Fast den ganzen Abend schafft es die Konzert-Ukulenen-Spielerin – sehr zur Freude des Publikums – ihren neutralen, über alles erhabenen Gesichtsausdruck zu bewahren.

Sopran-Ukulele, Tenor-Ukulele und Bass-Ukulele

Neben der Konzert-Ukulele werden noch weitere Arten dieses kleinen, aus Hawaii stammenden, Instruments gespielt. Drei Sopran-Ukulelen, eine Tenor-Ukulele und eine Bass-Ukulele sind die Grundelemente der Instrumentalisierung des Orchesters. Und auf diesen spielt das Ensemble keine hawaiianische Musik, sondern bedient sich einer vielfältigen Mischung aus unterschiedlichsten Genres. Folk, Rock, Pop und Country gehören zu dem Repertoire der Musiker. Selbst vor Klassik machen sie nicht halt. Das Ukulelenspiel dient bei den Arrangements häufig als Untermalung für den Gesang. Jeder der sieben Musiker singt mehrere Stücke und jeder kann auf seine Weise überzeugen.

Ist der Applaus in der nicht vollständig ausverkauften Stadthalle in der ersten Hälfte des Konzerts noch mäßig, steigern sich Intensität und Länge des Beifalls im zweiten Teil. Bekannte Stücke, wie „Psycho Killer“ von den „Talking Heads“ oder „Born This Way“ von Lady Gaga, scheinen dem Publikum am besten zu gefallen. Auch die Ukulenversion vom Soundtrack des Films „Zwei glorreiche Halunken“, der von Ennio Morricone komponiert wurde und als eine der bedeutendsten Westernkompositionen in die Filmgeschichte eingegangen ist, kommt gut an. Hinchliffe verliert während des Stücks kurz seine britische Zurückhaltung. Als er einzelne Töne nachsingt, muss nicht nur das Publikum, sondern auch er lachen.

Viel britischer Humor

Der Spaß steht den kompletten Abend im Mittelpunkt. Dabei kommen stets die Trockenheit und die Direktheit des britischen Humors zum Zuge. Neben den anfänglichen Geschenken gesteht Hinchliffe zur Erheiterung des Publikums: „Meine Mutter weiß noch immer nicht, dass ich in einem Ukulenen-Orchester spiele. Ich erzähle ihr lieber, dass ich in einer Gay-Bar arbeite.“

Die Musiker sind Profis. Ihre Scherze wirken nicht einstudiert, und sie beherrschen ihre Instrumente. Für Virtuosität ist in den gut umgesetzten Arrangements kaum Platz. Ab und zu blitzt solche in den Soli oder in einem Stück auf.

In einer der Zugaben kündigt Hinchliffe an, Händel auf seiner Ukulele spielen zu wollen. Barocke Töne erklingen. Seine Mitmusiker setzen ein. Aber nicht mit klassischer Musik. Jeder singt ein anderes Lied. Zu Barock mischt sich unter anderem Frank Sinatra mit „Fly me to the Moon“ oder Cat Stevens mit „Wild World“. Es entsteht ein Patchwork-Werk, das harmonisch klingt. Das Publikum erhebt sich und die Musiker verlassen unter großem Beifall die Bühne.

Von Friedrich Schmidt

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