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Regional Ausstellung mit Uli Fischer im Künstlerhaus Göttingen
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00:19 15.01.2018
Ausstellungseröffnung: Uli Fischer mit Besuchern im Künstlerhaus Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Was auffällt: Fischer malt nicht, er näht seine Bilder. Er fügt Stoffe aneinander, benutzt historisches Material. Diese Wahl hat ihre Folgerichtigkeit in Fischers Leben. Er erzählt von seiner Großmutter und deren Nähmaschine, eine von den Geräten, in die sich kleine Jungen auf das Trittbrett hinter das Schwungrad klemmen und Autofahren spielen konnten. Die Mutter arbeitete in einer Textilfirma.

Fischer selbst lernte den Beruf des Strickmaschineneinrichters, studierte später Textildesign und wollte auch diesen Beruf nicht ausüben. Künstler vielleicht? Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin - und wurde vor allem Setausstatter beim Film, wie er erzählt. Den Winter habe er in Thailand verbracht. Bei einem Abstecher nach Indonesien entdeckte er sogenannte Ikat-Stoffe, die sich durch eine besondere Webart auszeichnen. Fischer war begeistert und infiziert. Er klapperte Inseln ab und suchte diese Stoffe. Er entdeckte andere Webarten in anderen Ländern. Er versuchte, in Deutschland damit zu handeln und landete irgendwann bei hölzernen Kultgegenständen - um wieder zu Stoffen zurückzukehren.

Ausstellung "ein endloser Prozess" von Uli Fischer im weißen Saal des Künstlerhauses Göttingen. Quelle: Hinzmann

Fischers Arbeitstag heute beginnt damit, im Internet die Ware „von fünf oder sechs Anbietern“ anzuschauen und zu ordern. Er verarbeitet historische Stoffe aus zahlreichen Ländern wie Japan, China, Russland, England, der Tschechoslowakei - in der Ausstellung im Künstlerhaus. In seinem Atelier wird wohl noch deutlich mehr lagern.

Das ist Geschichte, verflossene Zeit

All das können die Ausstellungsbesucher nicht im Detail erfahren, aber einiges davon selbst ersehen. Sie können den Abrieb der Stoffe anschauen, ihre Patina. Sie sehen japanische Flaggen und ahnen wegen der Gebrauchsspuren wie Wasserflecken, dass sie aus dem Zweiten Weltkrieg stammen könnten. Das ist Geschichte, verflossene Zeit. Ihr fügt Fischer Gegenwart hinzu, indem er eigene Flecken den Spuren der Vergangenheit hinzugesellt. Verborgen fürs Publikum verarbeitet er auch Bilder aus Zeitschriften im Hintergrund. „Das turnt mich an“, sagt Fischer über diese verborgenen Zeitzeugenschaften. Das alles fügt er zusammen und schickt es in die Zukunft - ein bemerkenswerter fließender Zeitstrahl. Das ist einer der spannungsreichen Inhalte von Fischers Kunst. Es gibt noch mehr.

Ausstellung "ein endloser Prozess" von Uli Fischer im weißen Saal des Künstlerhauses Göttingen. Quelle: Hinzmann

Der Künstler erzählt aus seiner Vergangenheit. Er berichtet von den Phasen, in denen er Farbfeldmalerei betrieben hat und Schichtenmalerei, zwei Spielarten der Kunstgeschichte, die nicht narrativ waren, sondern die Malerei als solche zum Thema hatten. Fischers Göttinger Künstlerkollegen Georg Hoppenstedt geht noch ein bisschen weiter und bringt den Konstruktivismus ins Spiel. Diese künstlerische Ausprägung war sehr intellektuell geprägt und eher kühl. Die Arbeiten von Fischer erinnern daran, nur viel wärmer und näher am Menschen. Stoff eben. Klasse.

Die Ausstellung von Uli Fischer läuft noch bis zum 11. Februar im Weißen Saal des Künstlerhauses Göttingen, Gotmarstraße 1. Sie ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Von Peter Krüger-Lenz

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