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„Ulknudel, Jazzmusiker, Kontinent“

Helge Schneider erhält Satirepreis „Ulknudel, Jazzmusiker, Kontinent“

Helge Schneider sagt von sich, er sei „Musiker und Komiker“. Noch am Nachmittag vor der Verleihung des Satirepreises „Göttinger Elch“ am Sonnabend im Deutschen Theater äußert sich der Geehrte angenehm unaufgeregt und zurückhaltend zu seinen Qualitäten.

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Quelle: Heller

Die Jury um die Mitbegründer des bundesweit einmaligen Preises, Ausstellungsmacher Wolf-Peter Fahrenberg und Hilmar Beck, Kulturamtsleiter der Stadt Göttingen, können da ganz anders hinlangen. Sie bezeichnen Schneider in ihrer Begründung als „Ausnahmetalent und Multikünstler“. Er verbinde „exzellente Musik und kauziges Entertainment“ und setze damit einen Kontrapunkt gegen die standardisierte Comedy-Landschaft.

Als Satiriker sieht sich Schneider selbst allerdings nicht – oder doch. „Ich erfinde Geschichten, die manchmal eine satirische Bedeutung bekommen – durch Zufall. Und Musik kann auch satirisch sein“, bescheidet der Komödiant. Das zeigten exemplarisch die „Biermösl Blosn“. Die Träger des „Göttinger Elches 2008“ veredelten die Veranstaltung mit ihrem Auftritt, für den sie eigens eine Liedstrophe über Göttingen geschrieben hatten. Eine Kostprobe: „Ja sagt’s, wo san mir da heut g’land? … Wo ma die Kinder die Ewigkeit so erklärt: Des is dann, wenn die Südumfahrung gebaut wird, wo die Jugend in Moringen umeinand noch anständig grüßt – mit erhobener Hand.“ Und die Brüder versichern unisono: „Ist erst zehn Sekunden vor dem Auftritt fertig geworden.“

Phänomen Schneider

Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) zählte die diversen Berufe auf, in denen Jungelch Schneider bereits arbeitete. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Tierpfleger, Landschaftsgärtner, Polsterer und Dekorateur. Und Meyer nannte ihn „ein Unikat unter den deutschen Bühnenkünstlern“ – Ernst Kahl, Elchpreisträger seit 2007, ergänzte lautstark aus dem Publikum: „… und Freund“.

Laudator Rocko Schamoni, selbst Autor, Musiker, Regisseur und noch einiges andere, fragte nach dem Phänomen: „Was ist ein Helge Schneider eigentlich?“ Seine Antwort: „eine Ulknudel, ein Jazzmusiker, ein Kontinent“. Kennengelernt hätten sie sich 1989, als einem Freund Schneiders drittes Album in die Hand fiel: „Seine größten Erfolge“. Schamoni: „Ein starker Titel für jemanden, von dem man noch nie etwas gehört hat.“

Nachdem Meyer ihm schließlich die Urkunde überreicht, die silberne Brosche angeheftet und das Säckchen mit den 3333,33 Euro überreicht hatte (Schneider: „Normalerweise spendet man das ja. Ich mache diesmal eine Ausnahme, Ich gebe das einfach aus“), nachdem die Altelche sich auf der Bühne versammelt hatten, zeigte Schneider noch einmal, warum er ein würdiger Elch ist.

Irgendwo, Nirgendwo

Mit Lakonie improvisiert er Geschichten und Lieder, die anarchisch manchmal im Irgendwo, oft auch im Nirgendwo enden. Er nimmt sich Zeit und gibt sie dem Publikum, er schmunzelt gewinnend über die Welt, über das Publikum, über sich und das Leben. Brillant spielt er Klavier, viel Blues an diesem Abend, der gar nicht traurig ist. Ein kleines Handpuppen-Äffchen lässt er die Ventile seiner Trompete drücken, eine Blockflöte hat er zum Zaubern mitgebracht. Vieles davon stammt aus der Amateur-Kleinkunstecke, aber keiner hat das so perfektioniert wie Schneider.

Das größte Kompliment erhielt der Komödiant wohl vom jüngsten Zuschauer. Ernst Kahl hatte seine ganze Familie mitgebracht. Sohn Franz, um die fünf Jahre alt, gluckste dauerhaft vergnügt vor sich hin. Und am Ende rief er Schneider auf die Bühne: „Wir haben zu Hause eine Kassette von dir, da ist auch ,Katzeklo‘ drauf.“ Da blitzte Rührung bei Schneider auf.

Von Peter Krüger-Lenz

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