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Unerhört überraschendes Gesamtkunstwerk

„Quartett plus 1“ Unerhört überraschendes Gesamtkunstwerk

Lebendige Gemälde empfangen die Zuschauer beim Betreten des Jungen Theaters: Eine Ahnengalerie mit einem blassen Knaben im roten Frack (Christopher Paskowski), eine sonnendurchflutete Waldlichtung mit einer in Silber gekleideten Nymphe (Insa Rudolph) und ein holzverkleideter Innenraum in Bangalore mit einer indischen Sängerin (MD Pallavi).

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Vernetzt mit der Welt: die Musikerinnen des „Quartetts plus 1“ im Jungen Theater.

Quelle: Vetter

Drei Bildschirme, die Imaginationsräume und eine optische Tiefendimension eröffnen, mit denen die vier Streicherinnen vom „Quartett plus 1“ spielerisch und doch punktgenau interagieren und ein unerhört überraschendes und bisher in dieser Form ungehörtes Gesamtkunstwerk entstehen lassen.

Schon die Bühnenoutfits von Katharina Pfändner (Violine), Kristina van den Sand (Violine), Katharina Hülsmann (Viola) und Lisa Stepf (Cello) sind mit ihren goldenen, futuristisch anmutenden Accessoires Reminiszenzen an den Ausnahmekünstler Michael Jackson. In innovativen, wunderbar rhythmischen Arrangements (Komposition: Stefan Wurz) erklingen bruchstückartig und wild gemischt Welterfolge wie „Black or White“, „Billy Jean“ und „Smooth Criminal“. Dabei loten die vier Musikerinnen in jeder Beziehung Grenzen aus.

Sie spielen und singen oft gleichzeitig und lassen immer wieder großartige Momente entstehen: So spielen plötzlich gleichzeitig acht Hände auf einem Cello, oder alle parodieren sich selbst mit schwarzen Perücken und Sonnenbrille. In dieser interaktiven Installation lösen sich Grenzen auf: Bild, Klang, Realität und Virtualität verschmelzen zu einem einzigartigen Kunstwerk und die Parabel auf eine vollkommen vernetzte Welt ist perfekt, als Hülsmann von MD Pallavi (doch eigentlich in Bangalore stationiert) ein Glas entgegennimmt.

Nicht nur der musikalische und choreographische Aufwand des Programms sondern vor allem der technische Aufwand ist immens, und so kommt es zu kleinen Schwächen in der Bild-Ton-Synchronisation, über die sich aber bei diesem zauberhaften Programm für alle Sinne leicht hinwegsehen lässt. Man lässt sich eben gern täuschen und erliegt der Illusion, ganz im Sinne des Titels „Relax your mind“. So erwartet man jedes Mal, wenn einer der Sänger die Szenerie auf dem Bildschirm verlässt, dass er gleich in Fleisch und Blut um die Ecke kommt. Bei der aus Göttingen stammenden Sängerin Rudolph ist das beim ausdauernden Endapplaus dann glücklicherweise auch der Fall.

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