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„Unerhört viel Vollendung im Spiel“

Klaus-Maria Brandauer spricht über Mozart und die Freiheit „Unerhört viel Vollendung im Spiel“

"Freiheit“ ist das Thema der diesjährigen Niedersächsischen Musiktage, die am 1. September beginnen. Die Niedersächsische Sparkassenstiftung hat ein abwechslungsreiches Programm zusammen gestellt. Eines davon wird Klaus Maria Brandauer gestalten: Unter anderem am Freitag, 7. September, im Deutschen Theater Göttingen.

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Auftritt im Deutschen Theater Göttingen: K.-M-Brandauer.

Quelle: dpa

Göttingen. Er wird Mozart-Briefe lesen, musikalisch begleitet von dem Piano-Duo „GrauSchumacher“ . Heike Schmidt hat mit Brandauer über Freiheit als Mensch und Freiheit in der Musik gesprochen.
Was verbinden Sie mit dem Begriff Freiheit, wenn Sie an Mozart denken?
Es ist der außerordentliche Wurf, der in allen Sachen Mozarts steckt, der mich fasziniert. Alles von ihm hat eine Wirkung und dabei auch eine Gültigkeit. Das gibt es nicht oft. Schon der junge Mozart hat ein Thema aufgeworfen und es dann auch bewältigt. Da bleibt nichts mehr offen, da ist unerhört viel Vollendung im Spiel. Dafür braucht es nicht nur Begabung, sondern auch eine großes Maß an Freiheit.

Wann haben Sie die erste Bekanntschaft mit den Briefen gemacht?
Das ist auf jeden Fall schon länger her. Ich habe sie immer wieder in kleinen Ausschnitten gelesen. Spannend war es, daraus später eine Gesamtschau zu entwickeln, der Weg im Kleinen und die vielen Aufs und Abs.

Aber Sie werden nicht das gesamte Leben Mozarts nachvollziehen?
Nein, das braucht es auch gar nicht. Das Detail steht für das Ganze, wie überall in der Kunst. Durch sein Werk wird Mozarts Leben ja auf enorme Weise überhöht. Dabei war er ein ganz normaler Mensch wie du und ich, nur mit einer außerordentlichen Begabung, zu der er ungehinderten Zugang hatte. Nicht von ungefähr, sondern zum großen Teil sehr hart erkämpft.

Aber Mozart hat ja nicht nur reale Reisen unternommen …
Die aufregendsten Reisen hat er sicher im Kopf unternommen, könnte ich mir zumindest vorstellen. Er war ja ein aufgewecktes Kerlchen und auch im Erwachsenenalter kein Kind von Traurigkeit. Das soll deutlich werden, dass er eine außerordentliche Person war und zugleich ganz normal. Wie wir alle.

Dazu wird sicherlich auch die Musik beitragen …
Auf jeden Fall! Das wird übrigens nicht so ein Flickerlteppich aus Wort und Musik, wie es das manchmal gibt, sondern beides geht eine ganz besondere, fast gleichzeitige Verbindung ein. Mit den beiden Pianisten Andreas Grau und Götz Schumacher habe ich auf diese Weise bereits den Sommernachtstraum gemacht und jetzt also Mozarts Briefe.

Welche Bedeutung hat die Musik im Vergleich zum Text?
Es braucht beides. Musik kann so viel mehr ausdrücken als einfach nur Worte. Aber Worte sind viel konkreter und klarer. Wichtig ist: Weder Worte noch Musik dürfen Selbstzweck sein. Es kommt auf den Zusammenklang an. Interessant ist doch, was steht dahinter? Es geht am Ende immer um den Menschen, wenn es bei Mozart eine Botschaft gibt, dann diese.

Inwiefern könnte Mozart Vorbild für die heutige Zeit sein?
Das ist schwer zu sagen. Vielleicht ist Vorbild zu hoch gegriffen. Mozart war wirklich ein Genie. Wer ihn zum Maßstab nimmt, muss sich ja unglücklich machen. Es reicht aus, das zu genießen, was er uns hinterlassen hat, und wem es gelingt, davon nicht nur Vergnügen, sondern auch ein klein wenig Inspiration zu empfinden, der hat ein gutes Stück Freiheit gewonnen.

Der Abend mit Klaus-Maria Brandauer im Deutschen Theater Göttingen ist ausverkauft.

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