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Untergrund-Stimmung mit Schöngeist und Stahlmann

In der Musa Untergrund-Stimmung mit Schöngeist und Stahlmann

Mit gitarrenlastigem Gothic-Rock mit orientalischen Einflüssen, düsteren elektronischen Klängen und der melodiösen Stimme von Sänger Timur Karakus hat „Schöngeist“ die Zuschauer in der Musa am Montagabend, 28. März, in den Untergrund geführt.

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„Schöngeist“: unverwechselbar und düster in der Musa.

Quelle: Hinzmann

Wie die lockenden Stimmen der Sirenen erklingt der elektronische Hintergrundsound und sorgt für mystische Stimmung bei Titeln wie „Halbmondfinsternis“ oder „Immer lockt das Weib“. Die hohen, fast schreienden Violinenklänge bilden zusammen mit der ruhigen – neben den Gitarren aber leider etwas untergehenden – Stimme des Sängers einen faszinierenden Kontrast zur harten Rockmusik. Der gebürtige Bayer Karakus lässt außerdem seine türkischen Wurzeln in die Musik einfließen, wodurch ein unverwechselbarer Sound entsteht.

Mit dem im Februar erschienenen Album „Keine Zeit“ präsentiert die Band, die 2010 die Deutsche Musikförderung der Initiative Musik der Bundesregierung erhalten hat, ihren zweiten Longplayer. In ihren Texten, wie beispielsweise im Titelsong, in dem es heißt „Wer sagt, wir haben keine Zeit zu verlieren … wer von uns weiß schon, was es heißt zu riskieren“, philosophieren die Musiker über das Leben.

Für einen perfekten Auftakt des Abends sorgt die Göttinger Gothic-Industrial-Band „Stahlmann“ – fünf Männer in schwarzen Anzügen mit silber-metallic gefärbten Gesichtern und Haaren. Mit der Songzeile „Willkommen in der Dunkelheit, willkommen in meiner Seele“, macht Sänger Martin den Zuhörern gleich klar, wohin die Reise gehen soll. Der brachiale Gitarrensound, die kräftige, düstere Stimme des Sängers und Texte über Leidenschaft und Sünde, Gott und den Teufel, entführt das Publikum in die Abgründe der menschlichen Seele.

Im vorigen Jahr erschien das Debütalbum der 2008 gegründeten Band unter dem gleichnamigen Titel „Stahlmann“. Mit Songs wie „Hass mich, lieb mich“ oder „Stahlwittchen“ reihen sich die Musiker in die Neue Deutsche Härte ein, eine Musikrichtung zu der Rammstein oder Oomph! zu zählen sind.

Die Show von Stahlmann ist eine gekonnte Selbstinszenierung – vielleicht des eigenen dunklen Ichs? – die das Publikum in den Bann zieht. Spätestens mit einer abgewandelten Version des Toten-Hosen-Klassikers „Hier kommt Alex“ hat die Band auch bisherige Nicht-Fans von sich überzeugt, wenn das nicht bereits mit der umhergereichten Whiskey-Flasche gelungen war. Warum an diesem Abend nur etwa 30 Leute den Weg in die Musa fanden, bleibt ein Rätsel.

Von Noreen Hirschfeld

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