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Unterhaltsamer Spott und ein bisschen Trost

„Kunst des Entscheidens“ Unterhaltsamer Spott und ein bisschen Trost

Ein Hauch von Größenwahn ist gut“ ist Günther Ortmann überzeugt. Er bringe den Funken zu Beginn einer Handlung, von deren Ausgang wir keine Ahnung hätten.

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Günter Ortmann

Quelle: Vetter

In seinem Buch „Kunst des Entscheidens – Ein Quantum Trost für Zweifler und Zauderer“ setzt er sich mit dem brisanten Thema des Entscheidens auseinander.

Ortmann beschäftigt sich in seinem neuen Werk in 111 Miniaturen mit Theorien des Entscheidens und analysiert intelligent und unterhaltsam vor allem Beispiele aus Wirtschaft und Politik. Da bekommt so mancher Entscheidungsträger und Manager Spott ab. Schnell hat der Hamburger Betriebswirt und Organisationstheoretiker das Publikum in der ausverkauften Paulinerkirche auf seiner Seite und lädt zu interessanten Denkexperimenten ein, mit reger Publikumsbeteiligung und überraschenden Lösungsvorschlägen:

„Das habe ich ja noch nie als Antwort bekommen“, entfährt es ihm bei einem verblüffenden Teilungsvorschlag von 100 Euro zwischen zwei Parteien. Verblüffen tut aber an diesem Abend vor allem der Autor, indem er so manche Ansicht über Entscheidungsfindungen und Entscheidungsträger ad absurdum führt.

So stellt  Ortmann nicht nur die Existenz guter Gründe für Entscheidungen in Frage, sondern vor allem Theorien der rationalen Entscheidung, die auf dem Modell des Homo oeconomicus basieren. Dieses Modell aus der Wirtschaftswissenschaft setze als Grundannahme voraus, dass der Mensch nur auf seinen Nutzen fixiert und möglichst vollkommen informiert sei. Dass die steigende Quantität an Informationen beim Fällen von Entscheidungen hilfreich sei, entlarvt Ortmann rasch. Um Beispiele ist er nie verlegen.

Bei der Pränataldiagnostik statuiert er ein Exempel: Eltern würde durch dieses Mehrwissen die Entscheidung für oder gegen ein Kind nicht erleichtert sondern erschwert. Eine von Ortmanns Hauptaussagen ist, dass die vor allem in Wirtschaft, Politik und Organisationen als Tugend angesehene Entscheidungsfreude oft nicht auf einem größeren Verständnis der Situation oder auf Wissensvorsprung gründe.

Der Unterschied: Manche handelten schnell, andere zauderten. Wissen tun beide Parteien gleich wenig. Darin liegt wohl Ortmanns angekündigter Trost.
Günter Ortmann: „Kunst des Entscheidens“. Velbrück, 215 Seiten, 24,95 Euro.

Von Marie Varela

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