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14:46 27.09.2016
Von Peter Krüger-Lenz
Zwei Helfer tauschen sich aus: Timo (Shwan Karim) und Anne-Marie (Imme Beccard). Der Hilfsbedürftige (Rzgar Khalil) gerät da schon mal in den Hintergrund.          Quelle: Reimar de la Chevallerie
Göttingen

Der entspannte Beginn gehört zum Stück, das die Berliner Autorin Sophie Diesselhorst geschrieben hat. Anne-Marie (Imme Beccard) trommelt am Anfang die Helfer zusammen und die, denen geholfen werden soll, die Flüchtlinge. Sie selbst ist nett und ein bisschen chaotisch. Und sie will die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, unbedingt unterstützen, irgendwie kreativ.

Das will auch Timo (Shwan Karim). Der allerdings ist so hilfsbereit, dass er sich komplett verzettelt. Fünf oder sechs Termine, alle um zehn Uhr am Morgen, sind nicht zu schaffen. Die ehrenamtlichen und gutwilligen Helfer prallen auf Geflüchtete, die Probleme mit Behörden haben, ganz handfeste Schwierigkeiten, die sie vielleicht auch nicht immer legal bewältigen können. Zwischen Helfern und Hilfsbedürftigen liegen manchmal Welten.

Ganz feinsinnig sind Regisseurin Nina de la Chevallerie und ihr Ensemble – diesmal wieder professionelle Schauspieler – mit dem nicht ganz einfachen Thema umgegangen. Wer hilft tut Gutes, manchmal aber auch nur Gutgemeintes oder zuviel des Guten. Ganz vorsichtig umkreisen die Akteure die brisanten Punkte. Denn bloßgestellt soll niemand werden, schon garnicht jemand, der hilft. „Das Boat People Projekt“ vermisst den Unterschied zwischen dem Angemessenen und der Anmaßung“, schreiben die Theatermacher. Genau so filigran sind sie mit dem Thema umgegangen.

Daher erfordert es bisweilen viel Aufmerksamkeit, all die Situationen und Anspielungen richtig zu deuten, die teils ziemlich versteckt sind. Dazu hat Ausstatterin Lea Dietrich ihren Teil beigetragen. Der Bühnenboden ist mit Pappen ausgelegt, die vor allem Andreas Klumpf in sein Spiel einbezieht, indem er Kulissen daraus schneidet. Allerdings verweisen die Umzugskarton-Pappen auch auf die Situation der Flüchtlinge ohne Zuhause.

Auf den Pappen stehen zahlreiche Stühle, die von den Schauspielern immer wieder umarrangiert werden und meist nutzlos herumstehen. Das Publikum dagegen sitzt ziemlich unbequem bodennah auf Kissen. Die nehmen uns was weg – solche Gedanken sind hier intendiert. Doch irgendwann sitzen Geflüchtete, Helfer und Publikum gemeinsam auf den Stühlen. Ein versöhnliches Bild.

Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Bündnis 90/Die Grünen)war zur Premiere gekommen, ihr Haus fördert die Arbeit der Göttinger Theatermacher. Die Politikerin zeigte sich voll des Lobes über die Produktion, nannte sie gar sensationell. Da ist was dran.

 

Weitere Vorstellungen: 30. September, 2., 29. und 30. Oktober sowie am 25., 26. und 27. November um 19.30 Uhr im Theater im ehemaligen IWF-Gebäude, Nonnenstieg 72 in Göttingen. Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt.

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