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Regional Revue: Die 68er in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Revue: Die 68er in Göttingen
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20:49 11.04.2018
Das Junge Theater hat für seine Jubiläumsspielzeit den Regisseur und Autor Peter Schanz beauftragt, ein Theaterstück zu schreiben: „GÖ 68 ff“. Franziska Lather und Peter-Christoph Grünberg spielen eine Szene. Quelle: Heller
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Göttingen

Demos, Revolution, Muff unter den Talaren, alte Nazis und die freie Liebe: Die Bewegung von 1968 wird 50 Jahre alt. In der Universitätsstadt Göttingen ist der Geist der 68er noch heute in vielen Winkeln der Stadt zu spüren. Jetzt werden die 68er für die Bühne entstaubt und belebt: „Gö 68 ff” heißt eine neue Revue, die am 27. April im Jungen Theater (JT) Premiere hat.

Göttinger Zeitzeugen berichten

Zwei Wochen bis zur Premiere und noch steht das Stück nicht gänzlich. „Ich bin noch am Kürzen und Streichen”, sagt Peter Schanz, der das Stück schrieb und inszeniert. Zu viel Material, länger als zwei Stunden soll das Bühnenstück nicht dauern. Der Autor Schanz, der bereits im vergangenen Jahr ein Lichtenberg-Stück für das JT inszeniert hat, hat sich mit etlichen Göttinger Zeitzeugen getroffen, um für das Stück zu recherchieren. Die Politiker Klaus Wettig, Inge Wettig-Danielmeier und Harald Noack beispielsweise. Aber auch die etwas später und heute noch in Göttingen politisch aktiven Jürgen Trittin und Thomas Oppermann hat Schanz getroffen. „Das Stück heißt ja ff”, sagt Schanz. Auch Ereignisse und Erfahrungen aus den Jahren nach 1968 – nämlich bis 1977 – fließen in die Revue mit ein.

. Schanz(2.v.r) mit JT-Schauspieler Franziska Lather (r.), Peter-Christoph Grünberg (2.v.l), Agnes Giese Quelle: Peter Heller

Bunt und laut wird das Stück. Die Schauspieler Agnes Giese, Franziska Lather und Peter-Christoph Grünberg skandieren „Ho, Ho, Ho-Chi-Minh”, rote Fahnen werden geschwenkt und der brave Göttinger Bürger (Agnes Giese) echauffiert sich über das „studentische Gesindel”, das das Groner Tor blockiert. Lather und Grünberg singen einen Folksong von Pete Seeger, „What did you learn in school?”

Mit „Demo-Gefühl“ ins Stück

Die Revue werde in sieben Bilder gegliedert – unterteilt in „wichtige Themen” der Ära, so Schanz. Es geht um antiautoritäre Erziehung, um Hochschulpolitik und Rudi Dutschke, um Männer und Frauen, um Gewalt und um Hausbesetzungen. „Ich habe nicht nur mir den Veteranen von damals über diese Zeit gesprochen”, sagt der 57-jährige Schanz. „Auch mit den jungen Schauspielern”. Die haben nämlich kaum mehr Berührungspunkte mit dem Thema. „Meine Eltern waren nicht dabei, ich habe keinen persönlichen Bezug zu dieser Zeit”, sagt auch die 30-jährige Lather. „Aber ich bekomme jetzt so ein Demo-Gefühl”, sagt sie. Ähnlich geht es Grünberg. „Das Thema war weit von mir entfernt. Das ist schön, das erlaubt mir eine spielerische Lockerheit im Umgang damit und ein Augenzwinkern”, sagt der Schauspieler. Und er stellt sich der Frage der nachfolgende Generationen: „Was hätte ich damals gemacht?”. Vermutlich wäre er „richtig verspießt gewesen”, sagt er und lacht.

, Agnes Giese als Göttinger Bürger. Quelle: Peter Heller

Giese, die 1968 acht Jahre alt war, lebte damals in Berlin. „Mein Vater arbeitete an der Universität, ich habe die 68er also durch einen Kinderfilter erlebt”, sagt sie. Jetzt könne sie sich der Epoche in ihrer langjährigen Wohnstadt Göttingen widmen – und das sogar für ihre Arbeit.

Arbeit liegt noch genug vor dem Team. Auf einem Garderobenständer hängen kunterbunte Polyacryl-Klamotten aus den 70ern – noch unsortiert. Fest steht: Die polizeilichen Absperrgitter und die Matratzen werden im Stück zu sehen sein. Auf einem Tisch stapelt sich Literatur aus und über die Zeit, Schanz’ Recherchematerial.

„Stolz“ auf die Stadt Göttingen und ihre Protest-Tradition

In Göttingen gibt es eine lange Demonstrationstradition und die Geschichte der Stadt ist eng mit der der 68er-Bewegung verknüpft. „Ich lerne gerade sehr viel über die Stadt Göttingen”, sagt Schauspieler Grünberg. Durch das Stück entwickle er, anders als in den Städten in denen er zuvor gearbeitet hat, ein wenig „Stolz” auf Göttingen. Erschreckend aber sei, dass so viele der Themen, für die damals auf die Barrikaden gegangen wurde, bis heute aktuell geblieben sind.

Geschichtsträchtiges Haus

Das Ottfried-Müller-Haus, in dem das Junge Theater untergebracht ist, ist ebenfalls ein Stück 68er-Geschichte. Schanz erfuhr bei seinen Recherchen, dass Jürgen Trittin noch flammende Reden auf Barrikaden gehalten habe, während die heutigen Spitzenpolitiker Thomas Oppermann und Stephan Weil dort schon Doppelkopf spielten.

Der „Heimatabend zum 50. Geburtstag von 1968“ hat am 27. April Premiere. Weitere Vorstellungen von „Gö 68 ff“ sind am 5., 18., 29. Mai und am 30. Juni um 20 Uhr im Jungen Theater, Hospitalstraße 6.

Von Britta Bielefeld

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