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Ursprung in natürlichen Wasserklängen

Neue Musik Ursprung in natürlichen Wasserklängen

Ein zartes Pflänzchen gedeiht in Göttingen. Hieß es vor Jahren noch, zeitgenössische Musik habe hier kein Publikum, so haben sich die Verhältnisse inzwischen geändert. Die Festivals „Experiment Geschwindigkeit“ und „Linien“ haben die Neugier neuer Publikumsschichten geweckt, so dass heutzutage nicht nur der Kreis der Insider in Konzerten Neuer Musik anzutreffen ist.

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Hochompetent, hochkonzentriert: Musiker der beiden Ensembles.

Quelle: Vetter

So war das Alte Göttinger Rathaus jetzt mit rund 80 Hörern, die auf die Begegnung zweier Spezialisten-Gruppen gespannt waren, vergleichsweise gut gefüllt. „Das Neue Ensemble“ aus Hannover hat das Pariser Ensemble „Aleph“ zu Gast, mit dem sie auf Konzertreise unterwegs sind. Göttingen war der Start dieser Tour unter dem Motto „In the Flow“, die am Schluss nach Paris führt.

Musik der vergangenen 21 Jahre stand auf dem Programm. „Aqua Vit“ (1998/99) des in Berlin wirkenden Komponisten Oliver Schneller war das Eröffnungsstück, dessen Klänge ihren Ursprung in natürlichen Wasserklängen haben. Das ist nur anfangs wahrnehmbar, weil Schneller mit technischen Verfahren das Plätschern und Fließen gleichsam abstrahiert. Die „Suite für Viktor“ (komponiert 2000) des Schweizers Rico Gubler ist etwa gleich alt. Die im Programmheft erläuterte Ähnlichkeit seiner Musik mit dem Gestus der Sprache ist allerdings bei der ersten Begegnung mit diesen Miniaturen nicht leicht nachzuvollziehen.

Mit den „Récréations françaises“ (1993-95) von Gérard Pesson und „Ligatura – Message to Frances-Marie“ (1989) von György Kurtág standen die betagtesten Stücke in der Mitte des Programms. Pesson schreibt beinahe aphoristisch kurze Sätze, in denen er ältere französische Musik zitiert, ohne dass das Zitat als Fremdkörper hervortritt. Kurtág erarbeitet in seinem Stück für Celli, Violinen und Celesta eine Akkordstudie, die durch die räumliche Trennung der Instrumentengruppen an Spannung gewinnt.

Nach den Gesetzen des Goldenen Schnitts hat Yann Robin seine 2006 entstandenen „Phigures-II“ strukturiert. Doch die klangfarblichen Reize der finalen Uraufführung des Abends „Blick! Los“ für sieben Instrumentalisten von Annette Schlünz lief „Phigures“ den Rang ab. Denn geradezu magisch wirken die langsam sich verändernden Klangflächen, in denen die Musiker einander die Töne weiterreichen, sie verändern.

Beide Ensembles brachten mit ihrem hochkompetenten, hochkonzentrierten Spiel den Hörern diese Musik auf ausgesprochen spannende Weise nahe. Sie ließen sie in neue Klangwelten reisen.

Von Michael Schäfer

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