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Regional Weite, mitreißende Spannungsbögen
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00:15 09.05.2017
Mahler-Lieder: der britische Bariton David Wakeham Quelle: Schäfer
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Göttingen

Zwei Sätze aus der 1839 komponierten dramatischen Symphonie „Roméo et Juliette“ von Hector Berlioz eröffneten den Abend: eine wild aufschäumende (Ouvertüre), dann wieder unendlich zärtliche Musik (Liebesszene), in der der Komponist die Erfahrungen aus seiner Symphonie fantastique (1830) fortschreibt. Mueller kostete die weite Spanne der Affekte bis zur Neige aus, die Musiker bezauberten mit atemberaubenden Pianissimo-Passagen und bewiesen hohe Präzision auch in den heikelsten fugierten Abschnitten.Für Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ hatte Mueller den englischen Bariton David Wakeham engagiert. Der Sänger kann eine lange, erfolgreiche Karriere an bedeutenden Opernhäusern vorweisen – doch zu dem eher volksliedhaften Stil der Mahler-Lieder wollte sein bühnenhafter Ton nicht recht passen.

Info

Nächstes GSO-Konzert: "Aus dem Innersten" am Freitag, 12. Mai, um 19.45 Uhr in der Göttinger Stadthalle mit Werken von d'Indy, Saygun und Tschaikowsky.

Für die Spitzentöne setzte Wakeham viel Kraft ein, den melodischen Passagen fehlte es an Leichtigkeit, auch an großen Legatobögen. Die Lieder fungieren als lyrische Innenschau, nicht als dramatische Szenen. Das Orchester bot wunderschöne, hochfein differenzierte Klangfarben, die Mueller sorgsam dynamisch austarierte.Mit einer besonderen Rarität wartete das GSO nach der Pause auf: drei Instrumentalsätzen aus dem Melodram „Orpheus und Eurydike“ des hierzulande so gut wie unbekannten russischen Mozart-Zeitgenossen Jewstignej Fomin (1761-1800). Vor allem die Ouvertüre ließ in ihrem ernsten, an Gluck erinnernden Ton aufhorchen. Der abschließende rasche Furientanz konnte seine Wirkung – auch wenn sie auf etwas äußerlichen musikalischen Mitteln beruht – nicht verfehlen.Den Gipfelpunkt des Programms hatte Mueller für den Schluss aufgespart: die Tondichtung „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss. Hier zeigte sich des Dirigenten Fähigkeit, große Spannungsbögen aufzubauen, auf mitreißende Weise. Der weite Weg von den stockenden, matten Klängen des Todkranken zu Beginn, dem die Erinnerungen an Stationen seines Lebens durch den Kopf ziehen, hin zu dem markanten C-Dur-Schlussthema und dem zart verklärten Ausklang zeichnete Mueller mit seinem glänzend disponierten Orchester sehr eindrucksvoll nach. Vor allem die Holzbläser, aber auch die Pultführer der Streicher werden hier in vielen solistischen Passagen heftig gefordert: Diese Aufgaben bewältigten sie mit Bravour. Der Applaus prasselte nur so. Einen Extrabeifall und einen Blumenstrauß vom Dirigenten bekam Solotrompeter Victor Apostle, der sich mit diesem Konzert nach 38 Dienstjahren beim GSO in den Ruhestand verabschiedete.

Nächstes GSO-Konzert: "Aus dem Innersten" am Freitag, 12. Mai, um 19.45 Uhr in der Göttinger Stadthalle mit Werken von d'Indy, Saygun und Tschaikowsky.

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