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Verwandt mit dem Machwerk-Regisseur

„Harlan – Im Schatten von Jud Süß“ Verwandt mit dem Machwerk-Regisseur

Wie geht man damit um, dass der Vater, Onkel oder Opa für ein Machwerk verantwortlich ist, das Pflichtprogramm für KZ-Wachmannschaften war?

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Der Sohn: Caspar Harlan.

Quelle: Salzgeber

Regisseur Felix Moeller hat einen Dokumentarfilm über Veit Harlan und dessen Familie gedreht. Er holte 13 Verwandte des Mannes vor die Kamera, der 1940 den antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß“ inszenierte.

Moeller lässt unterschiedliche Aussagen nebeneinander stehen. Ob man ein Leben lang ein gebranntes Kind bleibt oder locker mit dem Erbe umgeht, ist eine persönliche Haltung und über jede Kritik erhaben. Kristian Harlan tritt nur vor die Kamera, um zu erklären, er werde nichts sagen. Vorbildlich auch der Umgang des Regisseurs mit der Frage, ob Harlan gezwungen wurde, „Jud Süß“ zu drehen: Es gibt keinen Beweis dafür und keinen dagegen – so einfach ist das, so unbefriedigend und unabänderlich.

Ein vergleichbarer Film über Täterkinder, Malte Ludins „2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß“, hatte den Vorteil, dass der Regisseur selbst Familienmitglied war. Moeller musste als Außenstehender diplomatisch sein. Es war schwer genug, so viele Angehörige für das Projekt zu gewinnen. Bei dem lungenkranken Thomas Harlan besteht die Gefahr, dass er auf kritische Fragen mit Atemnot reagiert. Dagegen ist Caspar, der 1946 geborene jüngste Sohn, durch die lebhafte Protestkultur der Sechziger geprägt. An ihm, seiner Frau und den drei Töchtern zeigt sich: Vergangenheitsbewältigung muss nicht selbstquälerisch sein.

Moeller will auch dem Künstler Harlan gerecht werden. Filmausschnitte belegen dessen thematische und stilistische Vielfalt. Mit Slavoj Zizek gibt es einen international angesehenen Harlan-Kenner, von dessen kulturtheoretischen Ausführungen Moellers Studie hätte profitieren können. Doch die vorgegebene Laufzeit von 100 Minuten erlaubt keine Vertiefung. Was ein großer Film hätte werden können, ist somit nur ein sehr guter Film.

Nicht tief genug und doch gut: gelungene Doku. In Göttingen im Lumière. Frank Noack ist Autor der Biografie „Veit Harlan. Des Teufels Regisseur“.

Von Franck Noack

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