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Verwischen von Genre-Grenzen

„Weinbrenner-Ensemble“ Verwischen von Genre-Grenzen

Musik im Autohaus. Das klingt nach verkaufsfördernder Kommerzbeschallung, zu der anzugtragende Verkäufer die Vorzüge eines Vehikels preisen. Im Falle der „Göttinger Reihe historischer Musik“, die von der Göttinger Händelgesellschaft organisiert und durch das Mercedes-Benz-Center Göttingen und die Firma Sartorius gefördert wird, ist das Gegenteil der Fall. Die meist barocke Musik gereicht sich selbst zum Zweck, und die Autos im Mercedes Center weichen Sitzreihen und einer Bühne.

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Jung und talentiert: das „Weinbrenner-Ensemble“.

Quelle: Mischke

So geschehen auch beim Karlsruher „Weinbrenner-Ensemble“, das sich eine harmonische Symbiose aus Renaissance, Barock und Moderne auf die Fahnen geschrieben hat. Dieses Versprechen konnte es eindrucksvoll einlösen. Das junge Quartett, das durch die Sopranistin Sigrun Maria Bornträger ergänzt wurde, legte den Schwerpunkt auf Werke Georg Friedrich Händels und präsentierte eine geschmackvolle Auswahl an typisch barocken Formen.

Barocke Spielfiguren

Den Auftakt bildete Händels Ouvertüre aus „Rinaldo“, deren eng verzahnte und rhythmisch komplexe Themenverarbeitung Miriam Koch an der Blockflöte und Frauke Lang an der Traversflöte mit sichtlicher Freude gelang. Doch auch Daniel Fritzsche am Barockcello und Slobodan Jovanovi am Cembalo überzeugten durch eine sensibel facettierte Dynamik, sodass die jungen Musiker selbst im furiosen Allegro von Händels Kirchensonate in g-Moll so mühelos konzertierten, als spielten sie die eingangs erwähnten Kaufhausklänge.

Neben Kompositionen le Romains, Monteverdis, Quantz’ und Falconieros bot Jovanovis Eigenkomposition „Affetti“ große stilistische Abwechslung, indem in ihr barocke Spielfiguren mit Tonalität der Moderne kombiniert werden. Besonders ergreifend war Bornträgers simultane Rezitation, in der Liebe und Krieg in schonungsloser Härte gegenübergestellt wurden. Mit „Liebe und Krieg – Eine musikalische Faszination“ haben die fünf begabten Musiker auch ihr Konzert betitelt, dessen Werke dadurch eine ganz eigene programmatische Qualität erhielten. Ein fein durchdachter Abend, der musikalische Genregrenzen verwischte – das funktioniert sowohl im Konzertsaal als auch im Autohaus.

Wechsel gibt es in der „Göttinger Reihe historischer Musik“: Statt des Ensembles „La Falsirena“ spielt „Theatrum Affectum“ am Donnerstag, 10. Dezember, um 20 Uhr im Mercedes-Benz-Center Göttingen, Willi-Eichler-Straße 34. Karten: GT-Ticketservice, Jüdenstraße 13c.

Von Jonas Rohde

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