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Viel Beifall für Chor und Orchester der Göttinger Universität

Mendelssohns Oratorium „Paulus“ Viel Beifall für Chor und Orchester der Göttinger Universität

An seinen Aufgaben kann ein Mensch wachsen. Diese Erkenntnis machen sich musikalische Liebhaberensembles zunutze, die dank der Begeisterungsfähigkeit ihrer Mitglieder auch sehr anspruchsvolle Werke bewältigen. Dieser Effekt konnten die Besucher bei der Aufführung von Mendelssohns Oratorium „Paulus“ am in der Göttinger Johanniskirche beobachten.

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Vielköpfige Liebhaberensemble: der Universitätschor und das Universitätsorchester in der Göttinger Johanniskirche.

Quelle: Heller

Göttingen. Die meisten Mitglieder von Universitätschor und Universitätsorchester studieren. Der Freiraum für private Hobbys ist in den prüfungsreichen Bachelor- und Masterstudiengängen sehr eng bemessen. Und die Anforderungen eines groß besetzten romantischen Oratoriums sind eigentlich höher, als unter diesen Voraussetzungen von den Liebhaber-Musikern zu leisten wäre.

Dennoch war der zweieinhalbstündige Abend durchaus ein eindrucksvolles Erlebnis. Mit Feuereifer legten sich Sänger und Instrumentalisten ins Zeug , produzierten vielfältig differenzierte Klänge vom recht zarten Piano bis zum machtvollen Fortissimo, schenkten der Glaubensgewissheit, die den Komponisten zu diesem Werk inspiriert hat, häufig ein prächtiges Gewand aus Tönen.

Dass dabei die eine oder andere Kontur etwas unscharf blieb, konnte nicht ausbleiben – wer lupenreine Präzision erwartet, ist in solchen Aufführungen fehl am Platz. Aber die Freude der Musiker an ihrer gemeinsamen Arbeit vermag die Zuhörer anzustecken, keine Frage.

Sicherlich hätten die Choristen bisweilen ein Piano noch etwas zarter singen können, manche Tenor-Einsätze klangen etwas roh, und gen Schluss des Oratoriums zeigten die ansonsten auffallend stimmstarken Soprane Zeichen der Anstrengung. Das mag auch mit den mitunter etwas langsamen Tempi des Dirigenten Ingolf Helm zusammenhängen, der aber wiederum auch auf die technischen Grenzen seiner Instrumentalisten Rücksicht nehmen musste, auch wenn leidenschaftliches Vorwärtsstürmen nicht unbedingt seine Domäne ist.

Auch dem Solistenquartett verlangt Mendelssohn vieles ab , in erster Linie dem Solo­sopran. Die junge Sängerin Theresa Sommer mit ihrem klangvollen, schön timbrierten Sopran zeigte sich intonationssicher und ausdrucksstark. Ausbaufähig sind bei ihr noch die Vokalfarben und die Leichtigkeit im Stimmansatz. Mit seinem markanten, sehr sicher geführten Bass setzte Artem Nesterenko besonders schöne Akzente an diesem Abend. Komplettiert wurde das Quartett durch die sichere Altistin Gritt Raabe und den höhenfreudigen Tenor Markus Brünger, bei dem man sich allerdings noch mehr Volumen und eine größere Geschmeidigkeit in der Stimmführung wünschen könnte.

Der Lohn für diesen lange nachklingenden Abend war begeisterter, lautstarker Beifall. Das dürfte bei der zweiten Aufführung am Sonntag in der Gartenkirche Hannover kaum anders gewesen sein.

Von Michael Schäfer

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