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Regional Viel Drama, Trash und wilde Träume
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19:20 13.05.2012
Tauschen Nettigkeiten aus: Lou Sophia Selene Karimi (links) und Anja Marszalek. Quelle: Opitz
Göttingen

Die drei Gewinner, Amit Esau, Mia Frimmer und Daniel Ratthei, wurden am Sonnabend ausgezeichnet – vor allem mit der Uraufführung ihrer Werke.

Esau ist 1988 geboren und gibt an, als freier Schauspieler in Berlin zu leben. Sein Stück „Sand“ hat er an Theatergeschichte angelehnt. Esau hat Absurdes Theater geschrieben, vielleicht nicht unbedingt lehrreich, dafür aber ganz vergnüglich.

Sein Protagonist Nemmerjahn (mit Szenenapplaus bedacht: Tobias Wojcik) ist in seinen Traum geraten. Hier schaufeln Menschen Sand durch die Gegend und verfolgen damit einen großen Plan. Andere demonstrieren fröhlich, weil sie aus Prinzip dagegen sind, worum auch immer es geht.

Ein Sinnsucher schießt um sich, und schließlich tauchen endlich auch Frauen auf. Irgendwas hat Nemmerjahn vergessen, am Ende fällt es ihm wieder ein. Annika Brandt hat das Stück sehr konsequent mit Blick auf Details und einem Knalleffekt auf die Bühne gebracht.

Drunter und drüber: Vater (Ingo Mesche), Arzt (Andreas Müller), Jenny (Laura Potthoff) und Jonny (Dennis Kalde) (von links).

Frimmer, Jahrgang 1972, ist die renommierteste unter den Preisträgern. Sie schrieb bislang vor allem Hörspiele und wurde dafür bereits mehrfach ausgezeichnet. „Von dir über dich neben mir“ hat sie ihr Stück genannt, das sich vor allem um eines dreht: um Beziehungen zwischen Mann und Frau. So offen die Autorin lässt, ob sie Selbsterlebtes aufbereitet hat, ob verschiedene Frauen ihre Erfahrungen beisteuern, so offen hat Christian Feuerhake die Gedanken- und Auseinandersetzungswelt inszeniert.

Seine Schauspielerinnen stehen am Rand der Bühne, immer wieder kommt eine in die Mitte, um eine Passage vorzutragen. Selbst die Unsinnlichkeit, mit der Frimme wiedergibt, was sich vor oder nach körperlicher Nähe zwischen Menschen abspielen kann, hat Feuerhake auf die Bühne übertragen. Seine Schauspielerinnen monologisieren meist, bisweilen gehen sie mit Worten aufeinander los. Und den Zuschauern muss sich der Eindruck aufdrängen, einer Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule beizuwohnen. Viel Lärm, wenig Bemerkenswertes.

Der gelernte Schauspieler Ratthei, geboren 1979, schreibt, wie es junge Schauspieler manchmal tun: viele Worte, viele Ideen, die der Struktur mit zunehmender Dauer zusetzen. Die Stringenz wird vernachlässigt zu Gunsten von Fabulierlust. Seine Geschichte „My life between the two fucking hemispheres of the brain“ um den jungen Jonny (bemerkenswert professionell: Dennis Kalde) pendelt zwischen Science Fiction, Trash und Drama.

Dauerschaufeln: Lanz (Palle Rolfs, links) und Linde (Crovin Büsing).

Jonnys Freundin hat ihn versetzt. Sich selber wollte sie in Kuala Lumpur finden, aber zu seinem Geburtstag zurück sein. Statt ihrer taucht Jenny auf, Jonny und Jenny werden ein Paar. Ein Jahr darauf liegt der junge Mann im Koma, eine neue Therapie soll helfen, ein enthusiastischer Arzt und der verzweifelte Vater machen sich auf in Jonnys Gehirn.

Papa will helfen und beginnt, Erinnerungen zu verändern oder gar zu löschen. Spätestens dann wird das Ganze etwas unübersichtlich. Serdar Sezenoglu hat das Stück inszeniert – eine offenbar gut funktionierende Kombination. Vor gut einem Jahr brachte Sezenoglu sein selbst geschriebenes Stück „Ars Ex Machina – Die Kunstmaschine“ auf die ThOP-Bühne, auch ihn zeichnete dabei der Hang zum großen Wurf, zu den großen Ideen aus.

Diesmal hat er inszenatorisch in die Vollen gegriffen. Er verwendet Videoprojektion, lässt seine Schauspieler auf verschiedenen Ebenen agieren, spielt mit Atmosphäre und Tempo. Ein gelungener Abschluss des Abends.

Weitere Vorstellungen: 15., 16., 18., 19., 22., 23. und 26. Mai um  20.15 Uhr im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3 in Göttingen. Kartentelefon: 05 51 / 39 70 77.

Von Peter Krüger-Lenz

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