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Regional Viele Wege führen zu dem Gitarristen Eric Clapton
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00:25 30.03.2015
Ganz versunken in sein Spiel: „Slowhand“ Eric Clapton. Quelle: dpa
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Göttingen

Als er sich John Mayall und dessen Bluesbreakers anschloss, als die ersten Hits kamen und Clapton nicht ständig Kopf, aber immer Seele war von Bands wie den Yardbirds, Cream, Blind Faith oder Derek & The Dominos.

Es war die Zeit, als irgendjemand „Clapton is God“ an eine Londoner Wand pinselte und das so selbstverständlich in den Sprachgebrauch übernommen wurde, als hätte da „Clapton is Vereinsvorsitzender“ gestanden. Als, lange vor dem gleichnamigen Album, der so wunderbar entschleunigende Mythos des „Slowhand“ entstand, der diesem ganzen Schneller-Höher-Weiter-Ding der Gitarrengniedler eine Nase drehte. Da zeigte einer, was zählt: nämlich wie und wo die Töne gespielt werden, nicht wie schnell. Obwohl Clapton konnte, wenn er wollte. Er wollte nur nicht immer. Musste er auch nicht.

Clapton spielte nicht Gitarrensoli, er erzählte sie. Seine Tongeschichten hatten einen Anfang, eine Mitte und ein Ende, sie konnten jubilieren („Badge“), herzhaft jammern („White Room“) oder sich mächtig aufregen („Crossroads“). Manchmal feierten sie sich auch leise selbst wie in dem Beatles-Gastbeitrag „While my Guitar Gently Weeps“. Eigentlich schade, bei all dem nicht dabeigewesen zu sein.

Nein, vermutlich hätte es wirklich nicht schlimmer kommen können, als Clapton über ein Popalbum endlich wirklich aufzuschließen, anstatt ihn wie bis dahin nur als Mythos zu beobachten. „Pilgrim“ hieß es, Ende der Neunziger, das erste Album mit neuen eigenen Songs nach 20 Jahren. Drumcomputer, Synthies, dazwischen eine Stimme, die teils gebrochen klang und eben eine Gitarre, die sich in all dem neumodischen Zeugs genau so zurechtfand und selbstredend behauptete wie in allen anderen musikalischen Umgebungen.

Mit „Pilgrim“ kam die persönliche Erkenntnis: Wo Claptons Gitarre spielt, ist sie Chef. Das war der Schlüssel zum Gesamtwerk und zu einem imposanten Backkatalog.  Mehr noch als das Unplugged-Album, ein paar Jahre zuvor, auch so ein als Mainstream und also doof bestempeltes Einsteigermodell für Spätgeborene. 13 von seinen 20 Grammys sammelte er in den Neunzigern, mehr als jeder andere Rockmusiker. Erst jetzt war Clapton einer für alle. 

Da waren seine persönlichen Dramen schon durch. Alkohol- und Heroinsucht, der Unfalltod seines Blueskollegen Stevie Ray Vaughan direkt im Anschluss an ein gemeinsames Konzert 1990. Vor allem aber der tödliche Sturz seines vierjährigen Sohnes aus einem offenen, bodentiefen Fenster eines Hochhauses in New York. Claptons öffentliche Reaktion darauf war „Tears in Heaven“, ein leises Lied, einfach, berührend. Es gibt Menschen, die sagen, Clapton habe seitdem nicht mehr fröhlich geguckt.

Clapton ist nach „Pilgrim“ zurückgekehrt zum Blues. Ganz weit zurück. Zu alten Helden. Wie Robert Johnson, der ihm schon in jungen Jahren immer ein wenig den musikalischen Weg geleuchtet hatte. Aber auch zu Howlin’ Wolf oder J. J. Cale und dessen karg-lässigem Sound. Clapton wurde mehr Blueskollaborateur denn je. Seine „Crossroads“-Benefizfestivals brachten viele Gitarrenhelden zusammen, und mit dem alten Blind-Faith-Weggefährten Steve Winwood spielte er eine Reihe gemeinsamer Konzerte, festgehalten auf einem erstklassigen Live-Album aus dem New Yorker Madison Square Garden.

Das Gesamtwerk Claptons ist kaum mehr zu überschauen. Wenn man es bei allen schöpferischen Pausen, die er eingelegt hat, einigermaßen auf Karrierejahre verteilen würde, müsste Clapton gefühlt 100 Jahre alt sein. Am Montag hat er Geburtstag. Er wird gerade mal  70.

Von Uwe Janssen

Das Tageblatt hat einige der größten Hits von Eric Clapton in einer Youtube-Playlist für Sie zusammengestellt.

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