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Vincent Warnier in der Jacobikirche

21. Internationale Orgeltage Vincent Warnier in der Jacobikirche

Vincent Warnier zählt zu den bekanntesten Orgelvirtuosen Frankreichs und setzte am Sonntagabend ein weiteres Ausrufezeichen seiner technischen und musikalischen Brillanz in der St.-Jacobi-Kirche.

Als Gast der 21. Internationalen Orgeltage konzentrierte er sein Konzert auf die französischen Kathedralmusik und endete – typisch französisch – mit einer Improvisation über Themen, die zu Beginn des Abends von dem Publikum selbst ausgewählt wurden.

Mit Johann Sebastian Bachs Praeludium und Fuge in e-Moll sowie dem Choral „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ eröffnete Warnier das Konzert, wobei insbesondere das Praeludium und Fuge Merkmale des späten Stils Bachs zeigten. Die komplexen und monumental angelegten Themen stellte Warnier deutlich heraus und gab die kompositorische Struktur in Musiksprache wider. In dem Allegro vivace aus der 5. Symphonie von Charles Marie Widor setzte Warnier erstmals dynamische Höhepunkte und reizte das Klangspektrum der Ott/Schmid-Orgel vollends aus. Komponist Jehan Alain selbst empfiehlt für die Interpretation seines Werkes Litanies auch bei hohem Tempo die Genauigkeit in der linken Hand nicht zu vernachlässigen. Diesen technischen Kniff meisterte Warnier gekonnt.

Als Nachruf für Alain schrieb Maurice Duruflé das Prélude et fugue sur le nom d’Alain, in welchem er das Thema aus den Buchstaben Alain gewinnt und das zweite Motiv aus Litanies zitiert. In der Fuge kommt dieses Motiv immer wieder auf einem Hummelflug ähnlichem Klangteppich zum Vorschein. Warnier, der als Nachfolger von Duruflé gilt, stellte in seiner Interpretation klare Bezüge zu beiden Komponisten her, bevor er zur Improvisation überschritt. Diese fundierte auf dem gregorianischen Hymnus „Vendi creator spiritus“ und dem Choral „Hinunter ist der Sonne schein“. Er steigerte sein Spiel ins Unermessliche und es schien als würde er sich der Klangsprache Alains und dem musikalischen Witz Duruflés bedienen, um etwas Neues zu schaffen – ein fulminanter Abschluss.

Das nächste Konzert der Internationalen Orgeltage: Der Hamburger Domorganist Eberhard Lauer spielt am Freitag, 29. Oktober, um 18 Uhr Werke von Schumann, Bach und Escaich sowie die Meistersinger-Ouvertüre von Wagner in der Jacobikirche in Göttingen.

Von Rhea Maria Richter

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