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Regional Virtuose am Balafon
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16:18 01.12.2016
Starkes Trio ohne Verstärkung: Aly Keita, Jan Galega Brönnimann und Lucas Niggli in der Alten Brauerei in Northeim. Quelle: Linnhoff
Northeim

Keita stammt von der Elfenbeinküste. Er führte das Balafon, eine Art westafrikanisches Xylophon, bestehend aus Holzklangstäben und Kalebassen, die als Resonanzkörper dienen, in die Musik von Jazzgrößen wie Joe Zawinul, Omar Sosa oder Jan Garbarek ein.

Die beiden anderen Musiker kommen aus der Schweiz, haben aber ebenfalls afrikanische Wurzeln. Die Eltern des Saxophonisten und Klarinettisten Jan Galega Brönnimann und des Schlagzeugers Lucas Niggli arbeiteten in der Entwicklungshilfe in Kamerun. Dort geboren, kennen sich beide von Kindheit an und sind musikalisch stark von der westafrikanischen Kultur geprägt.
Anlässlich einer Ausstellungseröffnung 2014 zu ivorischer Maskenkunst im Züricher Museum Rietberg fand das Trio erstmalig zusammen. Eigentlich als einmaliges Projekt gedacht, touren sie nun regelmäßig gemeinsam und haben das Album „Kalo-Yele“ aufgenommen.

In der vollbesetzten Alten Brauerei treten sie ganz ohne Verstärkung auf und haben zu Beginn etwas mit der trockenen Akustik zu kämpfen, die wohl ähnlich der in einer Telefonzelle in Burkina Faso sei, wie Brönnimann schmunzelnd anfügt.

Seine Komposition „Bafut“ widmet er allen Freunden, die in Kamerun waren. In dem Stück folgt ein intensives perkussives Zwiegespräch und Miteinander der drei Musiker. „Bean Bag“, eine Komposition von Niggli, beginnt mit Keitas hellen Tönen der Kalimba, einem afrikanischen Daumenklavier, bevor Niggli auf seinen Becken mit einem Bogen angestrichene sphärische Klänge folgen lässt, zu denen Brönnimann zaghaft auf der Bassklarinette einsteigt.

Ihr virtuoses Spiel entwickelt sich zu einem faszinierenden Klangkosmos und nimmt langsam Fahrt auf. Dabei werden unterschiedliche Rhythmen übereinander geschichtet, die sich zu komplexen Mustern verweben. Traditionelle afrikanische Klänge verschmelzen zu rasanten jazzigen Improvisationen. Niggli entpuppt sich als Irrwisch auf seinem Schlagzeug, angetrieben von rasanten Balafonläufen  und dem druckvollen Spiel der Blasinstrumente.

Die drei Musiker gehen mit offensichtlicher Leidenschaft und Spielfreude in ihren Kompositionen auf, immer wieder begleitet von dem euphorischen Applaus der zahlreichen Besucher.
Ein ganz besonderes Konzert klingt mit einem Schlaflied für Keitas Sohn stimmungsvoll aus.

Von Jörg Linnhoff

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