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Volkmar Staub mit dem neuen Programm „Weltanschauung“

Kabarett Volkmar Staub mit dem neuen Programm „Weltanschauung“

"Ist da noch frei?“, fragt er und deutet auf den Stuhl der auf der Bühne neben einem Sonnenschirm steht, an dem eine Glühbirne hängt. „Natürlich ist da noch frei“, antwortet es prompt aus der ersten Reihe, denn auf ihn hatte das Publikum gewartet. Volkmar Staub war jetzt im Apex mit seinem neuen Kabarettprogramm „Weltanschauung“ (nicht „Sprengsätze“, wie es im Programm stand) zu Gast.

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Erklärt die Weltgeschichte: Volkmar Staub im Apex.

Quelle: CR

Dabei wurde die Bühne zur Freiluftterrasse des „Ochsen“ in Oetlingen. Von „daheim“ hatte der Südbadener Kabarettist, der seit langem in Berlin lebt, einen guten Überblick.

Vom exponierten Freisitz aus unter dem barrierefreien Himmel erklärte er die Weltgeschichte. Und zwar von Anfang an. Ziemlich bald nach dem Urknall, kam es schon zur ersten Migrationsbewegung, in der Steppe erlernten wir dann den aufrechten Gang, weil das Gras unter den Affenachseln kitzelte, zeigt Staub auf. So richtig hielt er sich dann aber doch nicht an die chronologische Abfolge der Menschheitsgeschichte, schweifte stattdessen zu aktuelleren Themen ab. Dabei sprach er sowohl Politisches, als auch Alltägliches an, was für ein unterhaltsames Programm sorgte.

Als Papst rügte er Bischof Mixa für sein dickes Sündenregister. Wortspiele wie „da wurde wohl Pädagogik mit Pädophilie falsch übersetzt“ oder zum in diesem Zusammenhang eindeutig zweideutigen Begriff „Blasphemie“, kamen zwar nicht völlig unerwartet, brachten Staub aber dank seiner amüsanten Art dennoch Lacher ein. Seine Konklusion zu diesem Thema: „Gott sei Dank bin ich Atheist!“.

Aber auch Schäuble, Westerwelle und Sarrazin brachten den Kabarettisten in Rage. Als er über Guttenbergs „gemäßigte Taliban“ sprach, wirkten seine ohnehin schon buschigen Augenbrauen noch beeindruckender, und im Zuschauerraum verstummten die Lacher, als er mit tiefer Stimme fragte, ob diese Taliban jene seien, „die ihre Frauen nur noch mit Wattebauschen steinigen“.

Heiterer wurde es wiederum, als er eine Schweizer Wassermalerin verkörperte, die besonders stolz auf ihre Bilder aus dem „Volvic-Zyklus“ ist. Die „bemerkenswerten Kunstwerke“ (ein Haufen weißer Blätter) brachten das Publikum zum Schmunzeln.

Auch Musikalisches hatte Staub zu bieten: Als Extremsportler rappte er gekonnt über die Extreme im Leben, mit dem „Rundumsorglossuperknow­howpaket“-Song spöttelte er über das marode Finanzsystem, und als er zum Thema „Stuttgart 21“ sang, nahm er sogar seine Gitarre zur Hand. Beim letzten seiner Lieder wurde auch endlich klar, warum, die Glühbirne auf der Bühne hing: Mit einem Blues verabschiedete er sich von seiner alten, heißgeliebten Glühbirne, die nun bald durch eine „Energiesparschlampe“ ersetzt werden muss.

Gelungen war der Abend vor allem, weil Staub immer wieder eine gewisse Distanz schaffte, wenn er erklärte, dass wir „völlig sinnlos auf einer sich drehenden Murmel durchs Ambiente rasen“.
Am Ende würden ohnehin alle zu Staub, er sei es nur schon. Deshalb schloss er: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“. Begeisterter Beifall.

Von Sarah Lodder

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