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Regional Vom besonderen Humor eines Hundemenschen
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00:16 17.12.2012
Rettungsinsel Straßenlaterne: Martin Rütter versteht Hund und Mensch gleichermaßen. Quelle: Theodoro da Silva
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Es hat Tradition, dass Rütter kuriose Hundeprodukte vorstellt, die unseren Vierbeinern angeblich mehr Lebensqualität schenken sollen. Besagte Gummimopsdame dient – Karten auf den Tisch – den besonderen Bedürfnissen von einsamen Rüden. Dafür hat sie eine Öffnung, in die Rütter mit vielsagendem Grinsen seinen Finger steckt.

Dass dem besten Freund des Menschen solche Produkte geschaffen werden, sagt schon viel über die Mensch-Hund-Beziehung. Zumindest verwundert es nicht, dass ein Hundetrainer als erfolgreicher Comedian durchstarten kann.

Denn die Pointen muss Rütter nicht mehr schreiben, die erlebt er tagtäglich auf dem Hundeplatz. Dort wird er regelmäßig Zeuge, „wie der Hund den Menschen trainiert, ihm Kekse zu geben, wenn er kommt“. Auch die konsequente Schönrederei tierischen Fehlverhaltens gehört zu seinem Alltag. „Der tut nix“ ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Ein Satz wie „Meiner knurrt so freundlich“ führt über „Der zwickt schon mal“ dann konsequent in die tiefen Abgründe menschlichen Selbstbetrugs.

Rütter verfällt der Illusion, der eigene Hund sei ein Schaf im Wolfspelz, gottseidank nicht. Für einen Hundetrainer zeigt er sogar überraschend viel Verständnis für Jogger und jenen merkwürdigen Menschenschlag, dem beim Anblick eines ausgewachsenen, sabbernden Rottweilers nicht nach Kuscheln zumute ist.

So ist es vor allem sein unbestreitbar großes Fachwissen, das Rütters Programm empfehlenswert macht. Es gelingt ihm irgendwie, zwischen zwei Flachwitzen von den Auswirkungen des Coupierens auf das Sozialverhalten der Hunde zu erzählen.

So sind insbesondere Rüden, denen aus „ästhetischen“ Gründen der Schwanz abgetrennt wurde, öfter in Beißereien verwickelt, wie jüngst statistisch erfasst wurde.Die Gesichtszüge des nimmermüden Hundetrainers verlieren ihre Fröhlichkeit, wenn der erboste Tierfreund zum Vorschein kommt – das macht ihn sympathisch.

Nach der Sache mit dem Mops hingegen hätte es sicherlich keine weiteren Ausführungen über Rütters Vasektomie bedurft, von der er in den buntesten Tönen fabuliert. Warum? Weil es oft die Herrchen sind, die ihren Rüden ein ähnliches Schicksal ersparen wollen. Wahrscheinlich hat Rütter Recht: Wir bringen unseren Hunden mehr Empathie entgegen, als unseren Mitmenschen.

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