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Regional Von Fake News, Pferden und Youtubern
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15:48 22.02.2018
Tom Hanks als Ben Bradlee und Meryl Streep als Kay Graham in dem Film "Die Verlegerin". Quelle: epd
Göttingen

Die Wahrheit braucht Mutige

Eben noch hat der US-Verteidigungsminister im Regierungsflugzeug gewettert, dass sich in diesem Krieg alles zum immer Schlechteren wende. Da richten sich beim Aussteigen auf dem Rollfeld Reportermikrofone auf ihn. Und was spricht Robert McNamara hinein? Die militärischen Fortschritte in Vietnam würden die Erwartungen übertreffen, alles verlaufe nach Plan.

Einer seiner Mitarbeiter ist Augenzeuge beider Szenen. Schwer zu sagen, ob in Daniel Ellsbergs Augen Unglauben liegt oder Verachtung für McNamaras Lüge. Die Schizophrenie im Weißen Haus erträgt er nicht länger: Ellsberg wird Anfang der Siebzigerjahre zum Whistleblower. Nachts kopiert er geheime Regierungsdokumente über den Vietnamkrieg und bietet sie erst der „New York Times“ und dann der „Washington Post“ an. In den bald als Pentagon Papers bekannten Veröffentlichungen ist nachzulesen: Den Eintritt in den Krieg haben gleich mehrere US-Präsidenten entgegen allen öffentlichen Beteuerungen von langer Hand geplant.

So beginnt Steven Spielbergs Zeitungsdrama „Die Verlegerin“. Subtil ist dieser Auftakt nicht unbedingt, und das gilt für den Film insgesamt. An Deutlichkeit will Spielberg es offenbar nicht fehlen lassen. Ihm geht es um die Freiheit der Presse, ums Funktionieren der Demokratie und auch darum, ob amerikanische Bürger bereit sind, das Wohl ihres Landes über ihr eigenes zu stellen. Schnell verlegt Spielberg das Geschehen in die verrauchten Redaktionsräume der „Washington Post“. Um die Existenz dieser Zeitung geht es ebenso: Eigentümerin Katherine Graham (Meryl Streep) und Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) müssen entscheiden, ob sie die entlarvenden Papiere drucken. Der Scoop der ersten Veröffentlichung daraus gebührte der Konkurrenz von der „New York Times“. Doch diese Zeitung hat Präsident Nixon zwischenzeitlich mit einem juristischen Maulkorb zum Schweigen gebracht.

Was wird die Verlegerin im Blümchenkleid tun, die die „Washington Post“ nach dem Selbstmord ihres Mannes eher notgedrungen übernommen hat? Die Geschäftsführung ist nicht begeistert, dass das Blatt in ein politisches Abenteuer mit unabsehbarem Ausgang manövriert werden soll. Die wichtigen Männer in Grahams Umgebung titulieren die Verlegerin süffisant als „reizende Frau“ – ein Beitrag zur Historie der aktuellen „#MeToo“-Debatte ist der Film auch.

Wir wissen, wie Graham entschieden hat. Schon sehr bald wurden die Publikationen der „Post“ als ein Markstein in der Geschichte der US-Presse gefeiert. Aber dieses Wissen macht das Drama nicht weniger aufschlussreich.

Zu verdanken ist dies vor allem den beiden Hauptdarstellern – hier der knurrige Chefredakteur, der seine Zweifel mit burschikosem Verhalten zu überspielen versucht, dort die an Selbstbewusstsein gewinnende Herausgeberin, die sich in einer Männerwelt behaupten muss, in der die Frauen sich nach dem Dinner von den vermeintlichen Herren der Schöpfung separieren lassen und im Salon über Mode plaudern.

Zu keinem Zeitpunkt aber ist man versucht zu glauben, dass sich Spielberg bei diesem Film von nostalgischen Gefühlen hat antreiben lassen. Der Regisseur ruft mit einem Umweg über die Vergangenheit dazu auf, der grassierenden politischen Lüge in unserer Gegenwart Einhalt zu gebieten. Schon damals, 1971, redete sich ein Präsident in Rage über die verhasste Presse – Spielberg legt Original-Tonbandmitschnitte Nixons über seine Bilder von einer Präsidenten-Silhouette im Weißen Haus, die am Telefon gestikuliert.

Von den Pentagon Papers führt eine direkte Linie zu den Panama und Paradise Papers und anderen Enthüllungsgeschichten unserer Tage. Spielberg singt das Hohelied der unkorrumpierbaren Aufklärer. Er zeigt aber auch, was es dazu braucht: Verleger, für die Profitabilität und Qualität kein Widerspruch sind, Journalisten, die sich von der Nähe zur politischen Macht nicht einschläfern lassen und die auf jeden Versuch der Einschränkung der Meinungsfreiheit allergisch reagieren. Dieser Film beinhaltet einen Appell an heutige Journalisten, an diesen Tugenden festzuhalten.

An den meisterlichen Vorgänger „Die Unbestechlichen“ von Alan J. Pakula über den Watergate-Skandal reicht „Die Verlegerin“ nicht heran. Trotzdem ist dies ein sehenswerter Film: Das US-Kino trauert darüber, wie die Wahrheit mit Füßen getreten wird. Jüngst erst kam in „The Secret Man“ der Watergate-Whistleblower und FBI-Vizechef Mark Felt zu Ehren, besser bekannt als „Deep Throat“.

Steven Spielberg scheint sich auf seine alten Tage in einen Mahner und Warner zu verwandeln, der die Historie bemüht, wenn er das politische Gewissen seines Landes schärfen will. Schon in „München“ (2005) zeichnete er die Verhärtungen der Gesellschaft im Kampf gegen den Terror nach, in „Lincoln“ (2012) waren seine Sorge über die immer tiefer werdenden Gräben in der Gesellschaft Thema, in „Bridge of Spies“ (2015) sehnte er sich nach einem Helden, der mehr für sein Land tut als dieses für ihn. Nun hat er zwei solcher Helden bei der „Washington Post“ gefunden.

„Die Verlegerin“, Regie: Steven Spielberg, 115 Minuten, FSK 6, Cinemax Göttingen

Auf zum Turniersieg

HannoverSolange es reitbegeisterte Mädchen gibt, werden dem Kino die Pferdefilme wohl nicht ausgehen. Nach „Ostwind“ und „Rock My Heart“ ist nun wieder Reiterin „Wendy“ mit ihrem Zirkus-Schecken Dixie dran.

Am Ende des ersten Films hatten sich die Thorsteegs auf dem Gut Rosenborg von Wendys Oma Herta (Maren Kroymann) niedergelassen. Papa Gunnar (Benjamin Sadler) gibt Reitunterricht, Mama Heike (Jasmin Gerat) will aus dem Gut einen Erlebnishof machen. Doch das Familienunternehmen steckt in den Miesen. Werbung wäre gut – zum Beispiel in Form eines Siegs bei dem Jugendturnier, das Reithof-Konkurrentin Ulrike Immhof (Nadeshda Brennicke) ausrichtet. Die Schimmelstute Penny ist ein talentiertes Turnierpferd, doch hat sie Angst vorm Springen. Wird es Wendy (Jule Hermann) gelingen, Penny unter den eifersüchtigen Augen von Dixie in Form zu bringen?

Immerhin hat Hanno Olderdissen die Geschichte einigermaßen spannend inszeniert. und Jule Hermann spielt die Titelheldin hinreißend natürlich. Mit ihr wäre man wohl gern befreundet – zumindest wenn man zur Zielgruppe dieses Films zählt.

„Wendy 2“, Regie: Hanno Olderdissen, 96 Minuten, FSK 0, Cinemax Göttingen, Filmcenter Feilenfabrik Duderstadt, Neue Schauburg Northeim

Youtuber unterwegs im Horrorland

Wir leben in einem Zeitalter, in dem die größten Helden der Jugendlichen keine Hollywood- oder Popstars mehr sind, sondern Teenager wie sie selbst: Youtuber und sogenannte Influencer, die ihre Millionen Fans an ihrem Alltag teilhaben lassen.

Diesen Trend hat auch Regisseur und Drehbuchautor Michael David Pate für sich entdeckt. Nach seiner Horrorsatire „Gefällt mir“ und dem Youtuber-Fanfilm „Kartoffelsalat“ setzt er in seinem Schocker „Heilstätten“ eine Handvoll Youtuber in einer ehemaligen, angeblich verfluchten Berliner Lungenklinik aus. Zum Ensemble gehören neben Schauspielern wie dem „Club der roten Bänder“-Star Tim Oliver Schultz auch echte Social-Media-Promis wie Freshtorge, Nilam Farooq und Lisa-Marie Koroll.

Die Protagonisten wollen sich für Likes und Klicks in den Berliner Heilstätten die ultimative Anti-Angst-Chal- lenge liefern: Mithilfe von Theo (Schultz) begeben sich Marnie, Betty, Emma, Charly und Finn in das geschichtsträchtige Gebäude am Rande von Berlin, in dem zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges grauenhafte Menschenversuche durchgeführt wurden.

Zunächst geht alles seinen geplanten Gang. Die Jugendlichen stellen ihre Kameras auf, haben ihren Spaß und glauben nicht an die Warnungen von Marnie, die felsenfest davon überzeugt ist, hier einst einen echten Geist gesehen zu haben – bis Betty auf einmal einer blutüberströmten Frau begegnet.

Als die zutiefst erschrockene Gruppe die Heilstätten verlassen will, sind die Ausgänge natürlich versperrt und an den Wänden tauchen unheilvolle Botschaften auf.

Das totgesagte Horror-Subgenre des Found-Footage-Films, bei dem möglichst authentisches Bildmaterial eine gruselige Realität erzeugen soll, funktioniert noch immer. So fühlt man sich mal wieder so richtig unwohl im Kinosaal.

Heilstätten“, Regie: Michael David Pate, 89 Minuten, FSK 16, Cinemax Göttingen

Von Stefan Stosch, Jörg Brandes und Antje Wessels

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