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Von Häusern, Königen und Malergiganten

Galerie Ahlers Von Häusern, Königen und Malergiganten

Kenne ich schon, diese Bilder von Walter Eisler, die Oliver Ahlers derzeit unter dem Titel „Neue Bilder“ in seiner Göttinger Galerie ausstellt. Alle zwei Jahre präsentiert er Arbeiten Eislers, dies ist die dritte Schau. Da sieht man Gebäude von Erich Mendelssohn (1878-1953).

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Von Erich Mendelssohn entworfen und von Walter Eisler gemalt: Kaufhaus in Breslau.

Quelle: EF

„Eisler muss alles malen, was der Architekt entworfen hat“, sagt Ahlers über den Maler, den er in seiner Galerie vertritt. Und da sind diese Bilder aus der Königsserie. Zentral auf der Leinwand steht eine Figur, die an den großen Schauspieler Bernhard Minetti erinnert. Meist trägt der Mann eine Krone auf dem Kopf, manchmal liegt sie in seiner Nähe. Oft ist Blut im Spiel. Kenne ich schon, diese Bilder. Eben nicht.

Eisler arbeitet sich in umfangreichen Serien an Themen ab. Der Eindruck des Déjà vu entsteht, weil der Künstler in vielen Folgebildern nur kaum merklich variiert. Der König ist nach wie vor der König, doch er zeigt verschiedene Facetten dessen, wofür der Potentat steht – Macht, Verantwortung, Größenwahn oder Beherrschung – und wie er mit all dem umgeht.
Eisler ist 1954 in Leipzig geboren, sein Vater ist Bernhard Heisig, einer bedeutendsten Maler der DDR, der auch im wiedervereinigten Deutschland viel Anerkennung fand. Ein Malergigant. Sei Sohn studierte erst technische Fächer, wechselte später jedoch an die Kunsthochschule in Leipzig, an der sein Vater lehrte. Er nannte sich Eisler nach dem Geburtsnamen seiner Mutter, der Name Heisig wäre ihm eine Last geworden.

Heute zeigt Eisler, das Künstler in der DDR zuerst einmal zu großartigen Handwerken ausgebildet wurden. Nach dem Mauerfall erschloss er sich mit zahlreichen Reisen die westliche Kunstgeschichte. In der aktuellen Ausstellung verrät er vor allem seine Beschäftigung mit dem großen amerikanischen Realisten Edward Hopper. Eines von dessen berühmtesten Werken, den nächtlichen Blick von außen in ein Café, hat Eisler nachvollzogen – keine Kopie, eher Hommage und eigenes Verstehen.
Heute verwendet der Künstler leichthändig und angemessen diverse malerische Mittel, Flächigkeit in der Architekturbildern beispielsweise, oder er lässt seine große Lust am Malen in einigen Königsbildern aufblitzen. Und deutlich ist zu spüren: Er kann noch viel mehr.

Die Ausstellung „Neue Bilder“ von Walter Eisler läuft noch bis Sonnabend, 2. Oktober, in der Göttinger Galerie Ahlers, Düstere Straße 21. Sie ist dienstags bis freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr geöffnet, sonnabends von 10 bis 13 Uhr.

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