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Regional Von Lindenberg bis Casper
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00:18 13.01.2017
Von Peter Krüger-Lenz
Schwelgen in deutschem Pop und Rock: Tobias Sosinka (links) und Fred Kerkmann.               Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Der Titel der Musiktheaterproduktion „Tausendmal berührt“ geht auf ein Lied von einem Klaus-Lage-Album zurück, das 1984 erschienen ist. „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“ heißt der Titel, für den der Linken-Politiker Dieter Dehm den Text schrieb. Für Regisseur Tobias Sosinka überraschend: „Ein Song, der es in sich hat.“ 30 Lieder umfasst die Setliste, es sei die elfte Fassung, erklärt Fred Kerkmann, musikalischer Leiter der Produktion. Das Team musste reduzieren.

Start ist in den 1970er-Jahren, in denen „die deutsche Sprache für Rock und Pop erobert wurde“, so Sosinka, der nicht nur Regie führt, sondern auch Dramaturg und Geschäftsführer des Theaters ist.  Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen und, etwas später, Herbert Grönemeyer heißen die Urväter der Bewegung, „Großväter, die heute noch Stadien füllen“, sagt Sosinka. Das Produktionsteam stellt nun die Verbindungen her zwischen den Begründern und ihren Enkeln wie dem Rapper Casper.

Bei der Arbeit hätten sie entdeckt, dass die Titel, „die man mitsingen kann, diejenigen sind, die musikalisch am schwersten zu knacken sind“, erklärt Sosinka. Es ist nun schon die dritte Musiktheaterproduktion in dem Haus am Wochenmarktplatz. „Wir sind noch kein Musiktheater“, sagt Sosinka, „aber man merkt es im Ensemble – es wächst“. Ein Trumpf ist Franziska Lather, neue Schauspielerin am JT und laut Sosinka „sehr musikalisch“.

Verbunden sind die Lieder durch eine Geschichte, die in einer Wohngemeinschaft und auf einer Bühne spielt. Das verrät Ausstatterin Hannah Landes. Beides findet in einem Raum statt, „das vermischt sich“. Die Live-Band übrigens ist auch auf der Bühne platziert. Alles ist zu sehen, „kein Kabel wird versteckt“, ergänzt Sosinka. Und die Kostüme? „Wir haben alles geplündert, das wir schräg genug fanden.“

Kerkmann fasst zusammen: „Alles, was wir gefunden haben, spiegelt meine Identität – und ein Stück weit auch die Identität Deutschlands.“ Beide deutschen Staaten tauchen in der Musikauswahl auf. Sosinka: „Wir beziehen uns auf beide deutsche Staaten.“

Mit der Geschichte des Stücks begeben sie sich in Erinnerungsräume. Eine Dreiecksbeziehung spielt eine Rolle und eine Entpolitisierung mit anschließender Wiederpolitisierung. Musikalisch bewegt sich die Produktion zwischen Rock’n’Roll und Liedermachern. Neben den bereits erwähnten Musikern tauchen an diesem Abend auf: Konstantin Wecker,  Ton Steine Scherben, Tocotronic, Sido, Rammstein, Ulla Meinecke, Nena, Wir sind Helden und viele andere.

Die Musiktheaterproduktion „Wir sind Helden“ hat am Freitag, 13. Januar, um 20 Uhr Premiere im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

Figurentheater-Premiere

Die nächste Premiere im Jungen Theater steht bereits am Sonntag, 22. Januar, auf dem Programm: „Die Konferenz der Tiere“ von Erich Kästner. Die jungen Figurentheaterspieler des Kollektivs „Das Hybris“ aus Berlin, allesamt Absolventen der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, kooperieren dafür mit dem Jungen Theater (JT). Das Haus finanziert die Produktion, mindestens zehn Vorstellungen sollen im JT gespielt werden, anschließend geht die Inszenierung in den Besitz des Kollektivs über.

Wir wollten etwas machen, das politisch ist und Relevanz zu unserer Zeit besitzt“, erklärt Regisseurin Franziska Rattay. Sie fanden es bei Kästner, der seinen Kinderbuchklassiker 1949 schrieb – „in tiefer Resignation“, sagt Rattay. Der Zweite Weltkrieg sei gerade vorbei gewesen und dennoch sei nichts passiert.

Einzige Figurenspielerin wird Lena Wimmer auf der Bühne sein. Sie erläutert die Botschaft der Produktion: „Die Tiere beschließen: Es kann so nicht mehr weitergehen. Sie wollen für den Weltfrieden kämpfen – mit gesundem Menschenverstand. Und weiter: „Wenn Tiere das können, können Kinder das auch.“

Regisseurin Rattay wird übrigens bald schon wieder zu Gast in Göttingen sein. Bei den Figurentheatertagen gehört sie zum Ensemble des Puppentheaters Halle und spielt am Sonntag, 19. Februar, um 20.30 Uhr im Deutschen Theater mit in der Produktion „Die Liebe in Zeiten der Cholera“.

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