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Von Monotonie im Wohnzimmer keine Spur

Tourstart des Ukulelenduos „L’Uke“ Von Monotonie im Wohnzimmer keine Spur

Seit zwei Jahren interpretieren Karin Reilly und Daniel Adler bekannte Songs der 80er Jahre mit der Ukulele. Jetzt gehen sie auf Tour - beinahe mit neuer CD.

So ist das mit dem Recht: Wenn aus der Liedzeile „I’m a man without conviction“ „a girl without conviction“ wird, dann handelt es sich rechtlich nicht mehr um ein Cover des Songs „Karma Chameleon“ von Culture Club, sondern um eine Neubearbeitung. Für solche Neubearbeitungen braucht man Genehmigungen und Papier ist bekanntlich geduldig. Und wenn man so frei und kreativ mit Liedmaterial aus den 80ern umgeht wie es das Ukulelenduo „L’Uke“ tut, dann kann sich die Fertigstellung einer CD schon mal verzögern. Der Tourstart von „L’Uke“ wurde also nicht – wie angekündigt – mit einer CD gekrönt, denn wie Sängerin Karin Reilly erklärt, gab es schon für zwei Songs Absagen. Übel nahm das aber keiner der Fans im Nörgelbuff, den man schon fast als das Wohnzimmer von Karin Reilly und Daniel Adler bezeichnen kann.

Seit knapp zwei Jahren verfolgen die beiden Musiker erfolgreich ihr Konzept, Hits der 80er Jahre mit Ukulele zu performen. Man kennt sich, man wartet, bis alle da sind, bevor es losgeht. Die Atmosphäre ist gemütlich und irgendwie charmant: „Daniel wollte es schnuckelig haben“, so Reilly. Das klappt. Von „Monotonie“ keine Spur. Bei diesem Hit von Ideal – es ist der einzige deutschsprachige an diesem Abend – beweist das Publikum beeindruckende Textsicherheit. Reilly interpretiert den Song herrlich leiernd bis depressiv. Sie kann aber auch ganz anders: Bei „Rebel yell“ von Billy Idol wird wild getanzt und die Performance mit der für Idol typischen hochgezogenen Oberlippe abgerundet.

Nebenbei kommen der spitzbubenhaft agierende Adler und Reilly einem unterhaltsamen Bildungsauftrag nach. So erfährt man beispielsweise, dass Billy Idols bürgerlicher Name William Albert Michael Broad ist und Cindy Laupers Stimmbänder sie Ende der 70er zu einer Schaffenspause zwangen. Diese charmanten Nebensächlichkeiten plätschern so angenehm dahin, wie die genüssliche Lektüre der Lieblingsillustrierten.
Ist das Publikum während des ersten Sets noch eher passiv, wird nach der Pause bis Mitternacht mitgesungen und sich zu ungeahnten Höhen aufgeschwungen, um Reilly beim höchsten Ton von „Take on me“, ursprünglich von A-ha, tatkräftig zu unterstützen. Schräg und schön! Ein gelungener Tourstart.
„L’Uke“ spielt am 5. Juni beim Musikschutzgebiet-Festival in Homberg (Efze).

Von Marie Varela

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