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Von Strandromantik bis zu innovativer Vokalkunst

„Brasiliana“ in Göttingen Von Strandromantik bis zu innovativer Vokalkunst

Während jedes gelungenen Konzerts gibt es diesen magischen Moment, in dem zwischen Künstler und Publikum alles perfekt zu sein scheint: Der oft bemühte Funke ist übergesprungen. Der Sänger und Gitarrist Peter Fessler, der im Rahmen der „evenings of voices“ mit seinem Programm „Brasiliana“ im Alten Rathaus in Göttingen gastierte, erzeugte diesen Moment bereits mit der ersten Note und erhielt schon nach dem ersten Lied tosenden Beifall. 

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Zieht alle Register der Stimmkunst: Peter Fessler.

Quelle: Heller

Fesslers Programm besteht aus selbstgeschriebenen Stücken und bekannten Bossa-Nova-Nummern von Komponisten wie Antonio Carlos Jobim, Baden Powell und Luiz Bonfa – durchweg stilprägende Namen, denen der Vokalist mühelos seinen Stempel aufdrückt. Was Fessler da mit seiner Stimme anstellt, ist enorm: In seiner Improvisationssprache „Fesperanto“ scattet er sich von Tenor zu Sopran und zieht virtuos alle Register der Stimmkunst. Genauso groß wie sein Ambitus ist seine improvisatorische Freude, denn wenn er nicht gerade perkussive Scatsoli zum besten gibt, imitiert er täuschend echt eine Posaune oder Querflöte. 

Strandromantik gefragt? Kein Problem: Fessler sorgt zwischen den Versen von „Postcard from Brazil“ für Meeresrauschen. Sein Gitarrenspiel ist ebenso professionell, betritt mit klassischen Bossa-Grooves aber kein Neuland. Das ist auch gut so, denn seine innovative Vokalkunst harmoniert perfekt mit brasilianischer Gitarrenmusik.

Selbstironische Kommentare

Eine hochkarätige Überraschung barg der spontane Auftritt Berthold Matschats, der seinen alten Freund bei mehreren Stücken auf der chromatischen Mundharmonika begleitete und in seinen Soli das Potenzial des kleinen Instruments voll auskostete. Eine klanglich reizvolle Ergänzung zu den südamerikanischen Klangfarben.

Es scheint, so ließen selbstironische Kommentare des Künstlers vermuten, dass Peter Fessler seine Pop-Vergangenheit im „Trio Rio“ mit dem One-Hit-Wonder „New York – Rio – Tokyo“ immer noch ein wenig nachhängt. Mit „Brasiliana“, das bald auch auf CD erscheinen wird, schafft er sich jedoch eine neue musikalische Identität, die als Aushängeschild des deutschen Latin Jazz Furore machen dürfte.

                                                                                                       Von Jonas Rohde

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