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Regional Von schönen Träumen und harter Realität
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20:47 12.05.2017
Treffen sich bei der Lesung (v.l.): Autorin Hera Lind und Gerda Bruns vor der historischen Sternwarte.foto: Mischke Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

Schweißgebadet und schreiend wacht Gerti Bruns neben ihrem Ehemann auf. Schon wieder ein Albtraum über ihre Vergangenheit. Das geht über Jahre so, bis er ihr rät, ihre Erfahrungen aufzuschreiben. Schnell sind fünfzehn Seiten zu Papier gebracht und hinter Bruns Rücken schickt ihr Mann das Manuskript an Hera Lind. Die Bestsellerautorin, vor allem bekannt durch ihre Romane „Ein Mann für jede Tonart“ und „Superweib“, war sofort begeistert von dieser tragischen Geschichte und fuhr nach Göttingen, um Gerti Bruns zu treffen. 2012 erschien dann der biografische Roman „Gefangen in Afrika“, der die Vergangenheit von Bruns verarbeitetet.

Bei der Lesung im Planea erzählt Lind zunächst aus ihrem eigenen Leben. Früher hatte sie den Traum, Sängerin zu werden. Auch nach ihrem ersten Buch haderte die heute 59-Jährige damit, den Gesang aufzugeben. Nach ihrem Bestseller „Superweib“ allerdings rief Bernd Eichinger an, um das Buch zu verfilmen. Sie reiste nach Hollywood, um alles weitere zu klären. „Dann waren wir auf dem 50. Geburtstag von Eichinger und ich saß da an seinem Pool, hochschwanger, meine geschwollenen Waden ins Wasser getaucht. Die Wolken verzogen sich und gaben den Hollywood-Schriftzug frei“, erinnert sich Lind. Da habe sie beschlossen, dem Autorinnendasein eine Chance zu geben. Zwanzig Jahre später hat Lind zahlreiche Bücher geschrieben. Sie erzählt Anekdoten von ihren ersten Lesungen in kleinen schwäbischen Örtchen oder von ihrem schlimm-sten Vortrag: in einem Männergefängnis.

Es hat sich seitdem einiges verändert und mit „Gefangen in Afrika“ hat sie sich von der lustigen Frauenbuch-Schiene entfernt. Auch Gerti Bruns nimmt an der Lesung teil. Als Hera Lind Passagen aus dem Roman vorliest, sitzt Bruns neben ihr auf dem Tisch, mit feuchten Augen und Blick in die Ferne. Sie erscheint zunächst zurückhaltend, als die Autorin aus ihrem Leben vorliest: Von ihrer schlimmen Kindheit voller Armut und Gewalttätigkeit und von ihrer Ehe mit einem Mann, dem sie nach Namibia hinterherreiste und der es ihr dankte, indem er eine Zweitfamilie hatte. Und von der Flucht zurück nach Deutschland. Im Anschluss kommt Bruns selbst ins Erzählen. Anfangs noch mit zitternder Stimme, doch zunehmend fester, erklärt sie dem Publikum, wie sie mit den Schicksalsschlägen umgegangen ist. Sie bedankt sich abschließend bei Lind: „Ohne dich hätte ich schon früh aufgehört zu schreiben. Ich war ständig am Weinen. Aber du hast mir den Mut gegeben, weiterzumachen.“

Von Natascha Holstein

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