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Lichtenberg selbst ausdenken

WP Fahrenberg führt durch "Lichtenberg Reloaded" Lichtenberg selbst ausdenken

WP Fahrenberg gilt als profunder Kenner der Szene satirischer Kunst. Er stellte die Ausstellung „Lichtenberg reloaded“ zusammen, eine künstlerische Hommage an den großen Denker Georg Christoph Lichtenberg. Jetzt hat Fahrenberg mehr als 50 Besucher durch die Schau im Alten Rathaus geführt.

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Göttingen. Anfang der 1980er-Jahre war er Geschäftsführer der Göttinger Galerie Apex. Später stieg er bei der damals ebenfalls hier beheimateten Zeitschrift „Fotografie – Kultur jetzt ein“. Er kuratierte große Ausstellung vorzugsweise mit den Werken von Fotografen und eben Satirikern. 1992 habe er für eine Ausstellung zum 250. Geburtstag Lichtenbergs (1742-1799) zahlreiche Künstler gefragt, ob sie denn Lichtenberg kennten und sich mit Arbeiten an der Ausstellung beteiligen wollten. Viele hätten sich erst schlau machen müssen, „aber dann rollte eine Lawine auf uns zu“, sagte Fahrenberg zu Beginn seines Rundgangs in den Ausstellungsräumen im Alten Rathaus. Zum 275. Geburtstag habe er eigentlich nur nachgefragt, ob sie sich weiter mit Lichtenberg beschäftigt hätten. Und sehr viele hatten ihre Auseinandersetzung fortgesetzt. Jetzt also „Lichtenberg reloaded“.

Fahrenberg  schilderte Lichtenbergs Ruf, aber auch dessen wissenschaftliche Großtaten. Er sein ein „bunter Hund in der Kneipen- und Wirtschaftsszene gewesen“. Er habe die Grundlagen für das heutige Kopieren gelegt und für die Einteilung von Papierblättern in DIN-Formate. Seebäder habe er initiiert und den Lichtableiter in Göttingen erfunden. Dabei sei das 17. Kind der Familie „schon bei der Geburt für tot erklärt worden“.

Der erste Künstler, der sich in den 20er-Jahren mit Lichtenberg beschäftigt habe, sei Erich Osang gewesen, besser bekannt als e.o.plauen. Der habe viele Gedanken Lichtenbergs für seine Vater-und-Sohn-Geschichten genutzt. In den 60er-Jahren dann sei Horst Janssen gefolgt, „eine überaus schräge Type“, so Fahrenberg, und einer der besten Zeichner in der Geschichte. Fahrenberg schilderte Parallelen zwischen dem Künstler und dem Wissenschaftler: Alkohol, Frauen „und allerhand Probleme“. Janssen habe Lichtenberg als Spiegelbild seiner Person gesehen, sich selbst als Reincarnation. Bis zu 280 Zeichnungen hat Janssen zu Lichtenberg geschaffen, darunter auch die letzte vor seinem Tod.

Porträts von Lichtenberg gibt es nicht. Lediglich ein Scherenschnitt und die Zeichnung eines Studenten seien vorhanden. Der Vorteil: „Die Künstler konnten sich ihren Lichtenberg selbst ausdenken.“ Die Hamburger Künstlerin Dagmar Detlefsen beispielsweise hat Orte fotografiert, an denen Lichtenberg fehlt. In einer großen Bibliothek ihrer Heimatstadt beispielsweise, in der es viel Literatur über den großen Denker gebe, aber nicht seine eigenen Schriften. Fahrenberg: „Die sind alle geklaut.“ Frank Kuhnert baute das Grab Lichtenbergs im Kleinformat nach, das er unter der Erde einrichtete wie ein gemütliches Schlafzimmer mit Fernseher und Champagner. Auf der Oberfläche sieht es aus wie ein Abbild des Originalgrabs, doch Kuhnert habe es nie gesehen, sagte Fahrenberg – nur eine der vielen Merkwürdigkeiten, von denen Künstler bei ihren Umgang mit Lichtenberg und seinem Leben berichten.

Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, 13. August, im Alten Rathaus Göttingen. Sie ist dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. WP Fahrenberg bietet am Sonntag, 6. August, um 12 Uhr eine weitere Führung an. Individuelle Termine können unter Telefon 0551/4002486 beim Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen vereinbart werden.

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