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Arbeiten von Matthias Walliser im Künstlerhaus

Ausstellung Arbeiten von Matthias Walliser im Künstlerhaus

Matthias Wallisers Bildsprache ist von der Art Brut, der Arte Povera und von Graffiti beeinflusst. „Sie ist in einer sehr eindrucksvollen und kraftvollen Weise rau und ungeschminkt, nimmt keine Rücksicht auf Perspektive oder körperliche Proportionen“, erläutert Kulturwissenschaftlerin Anne Prenzler.

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Matthias Walliser und sein Film über das Künstler-Dasein.

Quelle: Christoph Mischke

Göttingen. Übermalungen, zeichenhafte figürliche Elemente, Passagen abstrakter Malerei, Bruchstückhaftes, Schrift, Fundstücke, meist vom Sperrmüll, die er in seinen Objekten und Installationen verwendet, aber auch mitunter mit seiner Malerei kombiniert: Seine Malweise schreibt der Künstler selbst eher dem amerikanischen abstrakten Expressionismus zu.

„Gesprächsbedarf“ ist der Titel einer großformatigen Ölmalerei. Auf schwarzem Bildgrund stehen sich zwei riesige Gestalten gegenüber. Zwei große Hände sind einander entgegengestreckt. Die Gestalten scheinen zu reden, vielleicht auch einen Disput auszutragen. Kleinere Figuren sind um die beiden Riesen positioniert. „we don’t move“ ist kaum leserlich am Bildrand zu entziffern. Schrift findet in Walliser Bildern oft ihren Platz als ein dem Pinselstrich gleichwertiges gestalterisches Element.

Keine Kommunikation scheint hingegen zwischen den Hasen zu herrschen, die auf zwei pinkfarbenen Bildern mit dem Titel „Hasehoppel“ zu sehen sind. Jeder sitzt für sich allein im teils leeren Bildraum. Auch ein Selbstbildnis zeigt Walliser. Ein Porträt mit breiter Schulter und einer angedeuteten Krone. Ernsthaft, melancholisch. Die Augen aus zwei Schraubdeckeln bleiben leere Augenhöhlen. Dem Betrachter wird ein Blick verwehrt.

Film als künstlerische Ausdrucksform

Auch das Medium Film setzt Walliser als künstlerische Ausdrucksform ein. So bezieht sich der Titel der Schau auf den Titel einer Videoinstallation aus den Jahren 2016/2017 und steht hierbei exemplarisch für das Auf-sich-allein-gestellt-Sein im künstlerischen Schaffensprozess. Das Schwarz-Weiß-Video zeigt den Künstler, der allein im Atelier mit sich und seinem Schaffen ringt und bleibt in all den gezeigten Handlungen doch rätselhaft.

Auffallend viele der Besucher der Vernissage bleiben in dem Raum stehen, um sich weite Strecken des Films anzuschauen. „Alle zwei bis drei Sekunden muss man heute etwas verstehen. Tun Sie es nicht! Ist doch egal. Verlieren sie sich.“ So wird der Regisseur Robert Wilson in der Einladung zur Ausstellung zitiert.

Vom Ringen mit sich und einer Leere

„Der Film erzählt vom Künstlerdasein, von Leere, von Verzweiflung, vom Versuch, über den eigenen Tellerrand zu schauen, vom Ringen mit sich und einer Leere, die im Grunde in uns selbst ist. Und möglicherweise auch von einem Schaffen aus der Negation, der Verweigerung heraus“, so Prenzler. Sie biete zwar Bedeutungen an, doch sei sie der Überzeugung, dass Interpretationen immer nur mögliche Sichtweisen sein können und im Grunde die Kunst ihre eigene Sprache hat, die rein rational nicht zu verstehen ist. „Für Matthias Walliser trifft das in besonderem Maße zu.“

Überzeugt zeigt sich die Kulturwissenschaftlerin auch davon, dass die Leere ein zentral wichtiges Motiv in der Arbeit Wallisers ist. „Und auch das Auslöschen ist ein Begriff, der helfen kann, sich dem Werk sprachlich zu nähern.“

Die Ausstellung in der Oberen Galerie läuft bis 8. Oktober im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 16 Uhr.

Von Karola Hoffmann

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