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Walter Sittler beigeistert das Publikum in Göttingens Deutschem Theater

Maßgeschneidert Walter Sittler beigeistert das Publikum in Göttingens Deutschem Theater

Und wieder hat Walter Sittler für ein nahezu ausverkauftes Großes Haus gesorgt, und wieder einmal hat der Schauspieler aus Stuttgart das Publikum im Deutschen Theater begeistert. „Als ich ein kleiner Junge war…“ heißt sein seit 2006 erfolgreiches Soloprogramm, das Regisseur Martin Mühleis so wunderbar einfach in Szene gesetzt hat. So kann Sittler wirken.

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Gelungenes Zusammenspiel: Walter Sittler (rechts) und die Musiker Libor Síma (Saxophon) und Veit Hübner (Kontrabass).

Quelle: Heller

Göttingen. Es sind die Erinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war…“ des Schriftstellers Erich Kästner (1899-1974), die Sittler (61) beeindruckend lebendig erzählt. Begleitet wird er dabei von sechs Musikern, die das gesprochene Wort ganz fein betonen, wenn auch mal mit lautem Trompetenklang und starkem Trommelwirbel.

Die Kompositionen von Libor Síma, der zugleich als Saxophonist in der Kapelle spielt, sind wie ein maßgeschneiderter Anzug für den großen Mann, der das Kindsein unvergesslich macht.

Sittler sorgt dafür, dass Kästners Familie scheinbar auftritt. So wird aus dem Monolog des Schauspielers oft genug mindestens ein unterhaltsamer Dialog. Sittler schlüpft überzeugend von der Rolle des sich erinnernden Schriftstellers in die des wissbegierigen Schülers, des einzigen Muttersöhnchens, gibt aber auch die so liebevolle wie herrische Mutter Ida, den polternden Onkel Franz und viele Personen mehr.

Großartige Darstellungskunst

„Als ich ein kleiner Junge war…“ ist auch eine Hommage an Kästners Geburtsstadt Dresden. Melancholisch erinnert sich der Mann im Wartesaal Ende der 1940er-Jahre an die Schönheit der Stadt, die er schon früh eingesogen hat und die ihn so geprägt hat. Aber Dresden ist zerstört. Unvergesslich wie seine Kindheit bleibt die Stadt für ihn.

Die Stadt an der Elbe hat der zweite Weltkrieg vernichtet. Die Kindheit von Kästner endete mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914. Und beides verbindet sich in der Inszenierung so anrührend. Sittler gelingt der große Wurf, weil er ohne große Gesten, aber mit großartiger Darstellungskunst diesen Abend unvergesslich macht. Keine Sekunde ist zuviel. Im Gegenteil: „Das könnte ich sofort noch einmal sehen“, sagte ein Zuschauer beim Hinausgehen. Oh ja.

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Jäger und Gejagte: Philip Leenders, Constanze Passin, Gintas Jocius, Elisabeth-Marie Leistikow und Dirk Böther (von links).

Als sich die Türen öffnen und die Zuschauer den Theatersaal betreten, wird nicht wie üblich ihre Eintrittskarte eingerissen und entwertet. Stattdessen werden ihnen Broschüren in die Hand gedrückt. „Darf ich ihnen das mitgeben?“, fragt Constanze Passin als forsche Verteilerin und setzt ein Lächeln auf. Hier stimmt etwas nicht.

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