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Wandlungsfähig

Kinderchor Hardegsen Wandlungsfähig

Es gibt sie noch, die großen musikalischen Überraschungen. Eine davon kommt in 33 glockenhellen Stimmen daher: Der Kinderchor Hardegsen gastierte unter der Leitung von Gerhard Ropeter in der Göttinger Kirche St. Michael und präsentierte sich als qualitativ hochwertiges Vokalensemble, das sich obendrein musikalisch auf der Höhe der Zeit zu bewegen weiß.

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Meistert hohe Anforderungen: Kinderchor Hardegsen unter Leitung von Gerhard Ropeter.

Quelle: PH

Sonst hätten sie wohl kaum das „Magnificat für Kinderchor, Harfe und Schlagzeug“ von Rucsandra Popescu zur Aufführung bringen können, das hohe Anforderungen an die Ohren, Stimmen und Körper der Aufführenden mitbringt. Denn mit dem klassischen Maria-Lobpreisung des Lukas-Evangeliums hatte die Komposition der Rumänin, die der Aufführung beiwohnte, nicht mehr viel gemein: Gregorianische Anleihen wurden von ihr dekontextualisiert, um sie in einem zeitgenössischen Kontext zu replatzieren. Die heterophone Stimmführung in Quart- und Quintabstand fand sich am ehesten in der Harfe, der aber ebenso naiv-pentatonische oder unsangliche Passagen zugewiesen wurden.

Die Sänger selbst mussten mit anspruchsvollen Passagen zurechtkommen, die immer wieder durch die abendländisch-christliche Tonalität schossen, nur, um sie im nächsten Moment wieder zu verlassen. Popescus Komposition ist mutig und gleichzeitig archaisch schön. Die jungen Sängerinnen und Sänger nahmen all diese Herausforderungen mit stimmlicher Professionalität und musikalischer Präzision.

Darüber hinaus reicherten sie das Werk in Absprache mit Popescu mit selbst erstellten Texten an, die ein Verständnis für die für heutige Ohren vielleicht etwas sperrige Textvorlage durchscheinen ließen. All das kann als  Erfolg für Ropeters Didaktik gewertet werden. Der gelernte Jurist, der früh eine kirchenmusikalische Ausbildung erfahren hat, weiß seine Schützlinge offenbar zu begeistern, und dass er für sein Projekt brennt, war während der 90-minütigen Darbietung leicht ersichtlich.

Die zweite Hälfte des Konzerts wurde mit Chormusik aus England, Skandinavien, Lettland und Deutschland gefüllt und kam musikalisch sehr viel traditioneller daher, war aber aufgrund des strahlenden Klangs des Chores nicht weniger reizvoll. Der Kinderchor Hardegsen ist also modern, professionell und wandlungsfähig. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann dies am Freitag, 12. Oktober, tun: dann gastiert er um 19.45 Uhr in der Göttinger   Jacobi-Kirche.

Von Jonas Rohde

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