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Wehmut und Synthie-Spielereien

Kassler Kulturzelt Wehmut und Synthie-Spielereien

Sphärische Klänge schwebten am Mittwochabend durch das Kassler Kulturzelt. Der Australier RY X, der inzwischen Berlin und Los Angeles als Wohnsitze angibt, war mit seinem sanften Elektromusik-Mix zu Gast.

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Quelle: r

Kassel. Die Songs seines neuen Albums „Dawn“ würden sich anhören „als würdest du im Morgengrauen zum ersten Wellenritt rauspaddeln und dabei das Gefühl haben, die Welt ist noch neu“ versprach das Programm des Kassler Kulturzeltes für Ry X. Vor dieser romatischen Stimmung hatten Publikum und Sänger am Mittwochabend allerdings die Unbillen eines Gewitters zu überstehen. Schafften es die Zuhörer noch größtenteils trocken in das Zelt, musste Ry X wegen sintflutartigem Regen zunächst im Auto warten. Mit 15 Minuten Verspätung legt der Künstler dann aber los.

Inzwischen auch Soloprojekte

Ry X, bürgerlich Ry Cuming, geboren in Australien, aufgewachsen in der Gegend um Byron Bay, machte in den vergangenen Jahren vor allem mit seinen soften, mit elektronischen Sounds untermalten Remixes in der Club-Szenen auf sich aufmerksam. 2012 nahm er sich zusammen mit dem Berliner Produzenten Frank Wiedemann sich sein Lied Howling vor und machte daraus ein erfolgreiches Elektro-Stück Daraus entwickelte sich das gemeinsame, nach dem ersten Song benannte Elektroprojekt The Howling. Inzwischen macht der Sänger wieder Soloprojekte. „Dawn“ ist sein zweites Soloalbum, vor sieben Jahren ist sein Debüt unter dem Namen „Ry Cuming“ erschienen.

Ry X, der von sich selbst sagt, er sei sehr spirituell, hat sich diesem minimalistischen Gitarrenfolk auf elektronischem Grund verschrieben. Über schlichte Gitarrenakkorde, die er mal mit akkustischer, mal mit elektrischer Gitarre spielt, legt er seinen Gesang. Sanft, wehmütig, fast schon wehleidig singt er, viel Hall auf der Stimme, viel Seufzen, viel Schmacht. Die Songs „Only“ oder „Hold Me Love“ vom neuen Album sind geprägt von Falsettgesang und gefühligen Gitarrenspiel, Klavierakkorden und Synthie-Spielereien.

Diese supersofte Mischung wird vor dem Abgleiten in den Kitsch von seinen beiden Mitmusikern gerettet, die mit Synthesizern, Keyboard und Drums sowohl für Tiefe als auch für Abwechslung sorgen.

Ein größtenteils sehr junges Publikum wiegt sich zu den Songs des Australiers. Der natürlich seine Hits Berlin und Howling nicht fehlen lässt. Ry X spricht zwischen seinen meditativen Songs brav auch mal über Kassel, diese „hippe“ Stadt, mit ihren „documenta-things“! So richtig will der Funke aber nicht überspringen. Vielleicht ist Ry X- Mischung doch mehr etwas für kleine Clubs oder intensives Lauschen in heimischen Rückzugsräumen. Als der Musiker nach gut 50 Minuten Konzert plus einer Zugabe seinen Auftritt beendet, versucht das Publikum jedenfalls nicht Ry X noch einmal auf die Bühne zu klatschen, sondern geht einfach hinaus in den abklingenden Regen.

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