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Weit verzweigte Familienbande

„Playground“ im DT-Keller Weit verzweigte Familienbande

Ein Stück zum 60. Geburtstag der Republik: „Kredit“ von Jan Neumann wurde am Freitagabend im Keller des Deutschen Theaters (DT) Göttingen in der Reihe „Playground“ gelesen – von Roland Bonjour, Katharina Heyer, Sarah Hostettler, Andreas Jeßing und Karl Miller. 

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Im Wust der Vergangenheit: Karl Miller, Katharina Heyer, Andreas Jeßing und Sarah Hostettler (von links).

Quelle: Peter Heller

Vorgestellt wird die Familienhistorie der Hubers, die ein Land in all seinen Facetten zeigt. Im Mittelpunkt steht Hans, den der Zuschauer von der Zeugung in einem Hinterzimmer der Gaststätte „Zum goldenen Kalb“ 1948 bis zu seinem frühen Tod 2008 verfolgt. Erzählt und gespielt wird die Geschichte von seinen fünf Kindern. Die haben allerhand zu tun, die weit verzweigten Familienbande aufzudröseln. Dabei hilft eine weiße Papierwand, auf der die Verwandtschaftsverhältnisse notiert werden. Ohne diese Stütze wäre der Zuschauer heillos verloren zwischen all den Großeltern, Tanten, Onkels, Cousinen und Geschwistern, ehelichen und unehelichen  Kindern. 

Und auch mit Stammbaum ist es eine Herausforderung, der Handlung zu folgen, die im Eiltempo sechs ausgewählte Jahre streift. Da gibt es nicht immer nur große Gefühle, sondern auch unendliche Langeweile. Hans’ Lebensweg setzt Autor Neumann etwas bemüht in einen historischen Kontext: Zu seiner Konfirmation fliegt Gagarin ins All, die Bankenpleite von 1974 spielt bei der Hochzeit eine Rolle und der Vertrag von Lissabon bei seinem Tod. 

Das Gros der Zuschauer im gut gefüllten DT-Keller zeigte sich zufrieden und berührt. Mit nur fünf roten Kellen hielten sich die Negativstimmen in Grenzen. Das Stück szenisch mit fünf Darstellern zu realisieren sei kaum möglich, lautete ein Kritikpunkt. Aufschluss gab allerdings der nachträgliche Hinweis der Schauspieler, das Familienleben werde in improvisierten Szenen dargestellt. 

Dass dies machbar ist, hat das Schauspiel Frankfurt bereits bewiesen: Dort wurde „Kredit“ im vergangenen Jahr uraufgeführt. Eida Koheil

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