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Weltdorfs weitläufige Welten

Stallarte Weltdorfs weitläufige Welten

Es sollte die zweite Auflage des Kulturfestivals „Stallarte“ in Roringen werden. Die Finanzierung klappte nicht, das Spektakel wurde auf den September verschoben. Jetzt machte ein kleines Ersatzprogramm Lust auf mehr.

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Parallelen zwischen naturwissenschaftlicher Bildgebung und Kunst: Kijewskis Diaprojektion.

Quelle: Heller

Ein vibrierender Downbeat begleitet den Flug der Kamera über chinesische Ländereien, Hütten, Dörfer, hinein in die Großstadt mit ihren Straßen, engen Häuserfluchten und Industrieanlagen. Der Film, den Wei Xidi mitgebracht hat zum Roringer Kunstfest vom Verein Stallarte, das „Glitzern fremder Städte“, zeigt einen nur vermeintlich absichtslosen Blick auf die großen Gegensätze des Landes weit im Osten.

Der chinesische Filmkritiker residiert derzeit im Rahmen des Artist-in-Residence-Austauschprogramms des deutsch-chinesischen Instituts für interkulturelle Germanistik und Kulturvergleich der Universität in Göttingen, erklärt Moderatorin Irmy Schweiger. Im Gegenzug wird die in Göttingen aufgewachsene Schriftstellerin Nora Bossong im September nach Nanjing gehen. Und so lesen beide, je in ihrer Sprache, im Kirchenraum von St. Martin aus Bossongs Roman „Webers Protokoll“. Die beredten Abgründigkeiten ihrer Prosa, Verzweiflung subtil nachzeichnend, beziehen sich unabsichtlich schön auf die beengten Blicke des Filmes in die Freiheit.
Sprachlichen und gedanklichen Freiraum nehmen sich mit ihrer dialogischen Lesung „Die Welt zu Gast in deiner Kehle“ Tobias Amslinger und Léonce W. Lupette: Ihr Schreibprojekt „Ein Zimmerspringbrunnen“ zerstört, verbiegt, verstört, setzt Lyrik, Laute, Bedeutung, Sprache, neu zusammen. Sie beziehen sich unter Verneinung eines einzelnen Autors aufeinander, weben und flechten ihren Text seit drei Jahren immer fort, experimentell, hier witzig, dort Realitäten oder Politisches neu betrachtend.

Harald Kijewskis hat als forensischer Spurensucher den Nachweis von Blei in Heinrich Heines Haar erbrachte. Im Atelier von Christel Irmscher zeigt er mit der Ton-Dia-Projektion „Kunst-Stoff“ ein Forschungsfeld, das die erstaunlichen formalen Bezüge von Ergebnissen bildgebender Verfahren der Naturwissenschaft mit denen der Kunst zu betrachten, zu vergleichen, offen zu legen sucht und deren Grenze verwischt oder immer wieder zu überspringen scheint.

Das Kunstfest, so erläutert auch der Vorsitzende des Vereins „Stallartes“, Siegfried K. Lang, bildet Auftakt und engagierten Aufruf, das nun für den 25. bis 27. September (Tageblatt berichtete) geplante dreitägige Festival „Weltdorf Roringen“ zu unterstützen. Dann soll experimentelle Kunst aller Sparten gezeigt werden.

Von Tina Lüers

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