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Regional Werke von Christel Irmscher im Künstlerhaus
Nachrichten Kultur Regional Werke von Christel Irmscher im Künstlerhaus
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16:33 28.04.2017
Christel Irmscher und die „Ölfässer“. Quelle: Harald Wenzel
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Göttingen

Christel Irmscher hat die „Ölfässer“ bereits in einer Ausstellung 1992 gezeigt und für die aktuelle Schau im Weißen Saal noch einmal in die Hand genommen. Mit Holzasche in das Ensemble gefügt, stellen sie nun einen gesellschaftlichen Bezug her. „Wer ist der Schöpfermoment? Ist das Gott, oder haben wir Gott geschaffen?“ Diesen Gedanken Lichtenbergs habe sie „auf anderen Ebenen weiterentwickelt und auf Dinge übertragen“, erläuterte Irmscher bei der Ausstellungseröffnung im Gespräch mit dem hannoverschen Kunstkritiker Michael Stoeber.

In sieben Arbeiten - Bildern und Objekten - setzt sich die in Hevensen lebende Künstlerin ganz persönlich mit Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) auseinander. Jedem Werk ist programmatisch ein Wort des Göttinger Gelehrten der Aufklärung zugeordnet. In der Auseinandersetzung mit den Gedankenblitzen setze Irmscher „visuelle Äquivalente“, verdeutlichte Stoeber. Plastisch wird dies auch in einer seriellen Arbeit, die für das Motto der Ausstellung steht, „Neue Blicke durch die alten Löcher“. Augenpaare in denen sich ständig neue Konzepte spiegeln, habe Irmscher ins Bild gesetzt und so das optische Sehen und das Sehen im Sinne des intellektuellen Wahrnehmens zusammengebracht, erläuterte Stoeber.

In der Schau ist durchaus auch ein subtiles Spiel mit den Sinnen zu finden. Neben dem Riechen, das sich mit der Holzasche verbinden lässt, und dem Sehen ist hier auch das Hören erfahrbar. Über zwei Kopfhörer läuft neben dem „Abendlied“ von Matthias Claudius der Song „Space Oddity“ von David Bowie. Beide stehen für zwei Seiten des Mondes, für den Widerspruch zwischen „der romantischen Seite einerseits und dem technischen Erreichen“, so Irmscher. In der Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen wissenschaftlicher Erforschungen habe Lichtenberg auch deren Folgen und Verluste bedacht. Eine Konsequenz sei, dass diese „auf Kosten unserer Gefühle und unserer Fantasie“ gingen.

Sie habe bei Lichtenberg, der sich durch „eine unglaubliche Vielfalt, Vielschichtigkeit und genaue Beobachtung“ auszeichne, sehr viel gefunden, das sie auf ihre Kunst habe übertragen können, sagte Irmscher. „Das fand ich eine richtige Fundgrube.“

Von Karola Hoffmann

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Die Ausstellung im Weißen Saal in der Reihe der Kunstsequenzen läuft bis Sonntag, 28. Mai, im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 16 Uhr. Eine Ausstellungsführung mit Christel Irmscher am Sonntag, 21. Mai, beginnt um 15 Uhr.

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