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Wie ein kleines Boot auf dem offenen Ozean

„Drei Farben – Licht“ Wie ein kleines Boot auf dem offenen Ozean

Blau, gelb, rot – und jetzt war es Licht. Das Theaterstück „keinsternhotel“ bildete den Abschluss der vierteiligen Reihe „Drei Farben – Licht“ in der Klosterkirche Nikolausberg. Den Abend gestalteten die Gründerinnen des boat people projects, die Theaterregisseurin Nina de la Chevallerie und die Autorin Luise Rist mit einem Stück, das berührt. Es handelt von Heimat, Flucht und Überleben.

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Afrikaner in Deutschland: Mark Kutah inmitten des Publikums in der Kirche.

Quelle: Heller

Eine weiße Frau (Julia Hansen) und ein schwarzer Mann (Mark Kutah) lernen sich beim Einchecken am Frankfurter Flughafen kennen. Beide sind Afrikaner, sie leben in Deutschland. Ihr Flug hat Verspätung, weil eine Gruppe afrikanischer Asylsuchender mit der Maschine ausreisen soll, ihnen ist es gelungen zu fliehen. Es kommt zu einer Begegnung zwischen einem Flüchtling (Raj Deliny Shaban), dem Mann und der Frau.

Julia Hansen spielt eine Frau zwischen zwei Welten. Die DT-Schauspielerin und Musikerin bewegt mit ihrem samtigen Gesang und überrascht mit afrikanischem Dialekt.

Bühnenneuling Raj Deliny Shaban spielt den Flüchtling verstörend reduziert. „Hinter seinen Augen geht es ein paar tausend Meter in die Tiefe – deine Welt ist ein Geheimnis“, sagt der Afrikaner über ihn und lässt ganz nebenbei einen Blick in sein eigenes Innerstes zu.

Es geht nicht nur um das gesprochene Wort, das Verstehen, sondern auch um Nichtverstehen. Die Bedeutung der Passagen in afrikanischer Sprache erschließt sich den Zuschauer wohl kaum. Das ist aber auch nicht nötig.

Viel Atmosphäre

Rist arbeitet in ihrem speziell für diesen Abend geschriebenen Stück mit Andeutungen, Gedankenfragmenten und rudimentären Sätzen. Viel Atmosphäre vermitteln Gesten, Blicke, ein gemeinsames Abendmahl und die Musik von Jürgen Ufer. So bleibt Raum für eigene Bilder, die sich über Jahre im Kopf eingebrannt haben, von Menschen, die den Tod in Kauf nehmen für eine Zukunft in Europa. „Das Meer ist größer als das Leben“, heißt es in dem Manuskript.

Das einfache und effektvolle Bühnenbild bildet den perfekten Rahmen für die Szenerie: Aufgeblasene Wasserkanister wirken wie kubische Lichtobjekte und sind gleichzeitig Sitzflächen – wackelig und unsicher wie ein kleines Boot auf dem offenen Ozean. Das Schiff der Nikolausberger Klosterkirche war an diesem Abend Kulisse für beides: Licht und Finsternis.
Ein begeistertes Publikum feierte bei afrikanischem Essen den Abschluss des vierteiligen Theaterprojekts, an dem neben dem Team Rist und de la Chevallerie auch Stefan Dehler und Christoph Huber beteiligt waren.

Von Eida Koheil

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