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Regional Witzige Musik für blutrünstigen Stoff
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00:17 26.11.2012
Rasiermesserscharf: Das Göttinger Symphonie-Orchester unter der Leitung von Gastdirigent Urs-Michael Theus spielte die Musik von „Sweeney Todd“. Quelle: Pförtner
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Nichts von alledem. Webers Ouvertüre zum „Freischütz“ jubelt vor allem über das gute Ende, das die Geschichte von den verruchten Freikugeln nimmt. Da kommen einzig eine Taube und ein böser Jägerbursche ums Leben. Mit der Geschichte von Sweeney Todd – die Malcolm Arnold 1959 als Ballettmusik komponiert hat – verhält es sich anders. Der arge Barbier befördert mit seinen rasiermesserscharfen Geräten Zeitgenossen ins Jenseits und sorgt zusammen mit Pastetenbäckerin Mrs. Lovett für nachhaltige Verwertung ihrer fleischlichen Reste.

Makaber, keine Frage. Aber wohl nur ein Brite wie Malcolm Arnold kann zu einem blutrünstigen Stoff eine derart witzige Musik schreiben, die dem Publikum in der voll besetzten Stadthalle immer wieder ein Lächeln zu entlocken vermochte. Skurrile Horrorklänge wechseln sich ab mit süß beschwingtem Walzer, fetzigem Charleston oder folkloristisch angehauchten Passagen. Überall sitzt der Musik der Schalk im Nacken.

Das alles stellte das GSO in spritziger Musizierlaune mit Liebe zum Detail vor. Gastdirigent Urs-Michael Theus widmete sich der Partitur mit Verve. Er setzte die Effekte der ungewöhnlichen Klangfarben-Mischungen wirkungsvoll in Szene. Freilich hätte er hier und da den Gesamtklang dämpfen können: Dann etwa wäre aus dem einleitenden Misterioso wirklich etwas Geheimnisvolles geworden. Seinen Sinn für Effekte hatte Theus bereits in der einleitenden „Freischütz“-Ouvertüre mit großen Kunstpausen und theatralischer Geste vorgeführt.

Zum Ende wurden ernstere Töne angeschlagen. Das vergleichsweise selten zu hörende Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester von Johannes Brahms stand auf dem Programm, in den Solopartien besetzt mit GSO-Konzertmeisterin Natalie Kundirenko und Jochen Ameln, Solocellist bei den Stuttgarter Philharmonikern, bei denen Kundirenko vor ihrer Göttinger Zeit engagiert war.

So kollegial die Musiker miteinander umgingen, so unterschiedlich war ihre Tongebung: Während Ameln einen sanft-runden, kammermusikalisch zurückhaltenden Klang bevorzugte, glänzte die Geigerin mit temperamentvollem, rhythmisch markantem Strich. Das passte nicht haargenau zusammen. Doch das präzise Zusammenspiel der Solisten war davon nirgends beeinträchtigt: So konnte man diese späte brahmssche Musik gleichsam in zweierlei Sichtweisen wahrnehmen, aus einem jugendlich forschen und einem abgeklärt weichen Blickwinkel. Der lang anhaltende Beifall war hoch verdient.

Von Michael Schäfer

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