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Zeit für die bunten Frühlingsblüher

Krokus, Schneeglöckchen und Winterlinge Zeit für die bunten Frühlingsblüher

Der Elfen-Krokus kann sich nicht irren! Wenn dieser Pflanzenzwerg seine hellvioletten Blüten aus dem frostigen Boden schiebt, dann wird es Frühling. Ein Grund zum Jubeln für jeden Gartenliebhaber, denn jetzt geht die lange Zeit des winterlichen Abwartens endlich zu Ende.

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Müssen frostfrei überwintern: Kapkörbchen blühen dann prächtig an kurzen Tagen.

Quelle: Callauch

Crocus tommasinianus, C. chrysanthus und C. flavus sind die ersten, kleinen, violetten und gelben Krokusse, denen bald die etwas größeren Kultursorten aus der C. alba-Gruppe nachfolgen. Sie verwildern leicht, wenn man ihnen einen sonnigen bis halbschattigen Platz im Garten gewährt und bilden wunderschöne Vegetationsbilder mit Winterlingen und Vorfrühlings-Alpenveilchen. Sie sind absolut pflegeleicht und werden jedes Jahr über Aussaaten mehr, was kann man mehr wollen von einer Gartenpflanze?

Dass es sich wirklich um einen Krokus handelt, und nicht um eine frühlingsblühende Zeitlose (Colchicum), zeigt ein Blick in die Kronröhre: Krokusse besitzen stets 3 Staubblätter, während die Zeitlosen 6 präsentieren. Leider sieht man Colchicum hungaricum oder C. kurdicum sehr selten in unseren Gärten, was damit zusammenhängen mag, dass sie so gern von Schnecken vertilgt werden. So bleiben dann lediglich Colchicum sativum und C. autumnale übrig, die bekannten „Herbst“-Zeitlosen, die gut in Rasenflächen gedeihen, aber auch lange im Frühling ihren Blattschmuck tragen, den man nicht einfach abschneiden darf, wenn man eine Herbstblüte erzielen möchte.

Von allen Krokussen und Zeitlosen gibt es zahlreiche Sorten und manche wird von Liebhabern mit dreistelligen Summen für ein paar Zwiebeln gehandelt. Ähnliches gilt für die über 700 Sorten der Schneeglöckchen, einen häufigen und jedem bekannten Begleiter unserer Vorfrühlingsflora. Besonders in England kann man von einer „Galanthophilie“ unter den Pflanzenfreunden sprechen und das wintermilde, britische Klima kommt ihrem Anbau entgegen. So sind etliche Sorten im winterkalten Deutschland heikel und man wird daher bei uns meistens das einheimische Galanthus nivalis, das größere und blauere G. elwesii und gelegentlich das breitblättrige G. ikariae finden. Dazu sind gefüllte Blüten bei den „flore plena“-Sorten verbreitet und trotz aller bestäubungsbiologischen Bedenken (weniger Pollen für Bienen!) einen Versuch im Garten wert. Jedenfalls lohnt es sich bei Schneeglöckchenbeständen immer einmal genauer hinzugucken: Wenn der typische, grüne Strich auf den Blütenblättern fehlt, dann kann es sich vielleicht um etwas anderes als das gewöhnliche Schneeglöckchen handeln.

Im März zeigt sich der Garten von seiner kahlsten Seite und es gibt genug Gelegenheiten, jetzt mit der Säge die eine oder andere Auslichtung vorzunehmen. Zu beachten ist allerdings, dass man nicht die bald blühenden Frühlingsgehölze wie Forsythien und Spireen abschneidet, denn dann muss man ein weiteres Jahr auf ihren Flor warten. Das wichtigste Werkzeug ist jetzt die akkubetriebene Heckenschere, mit der man ökonomisch und akustisch rücksichtsvoll die alten Staudenreste vom Vorjahr beseitigt, damit die treibende Frühlingsflora ihre volle Pracht entfalten kann.

Wer über einen kalten Wintergarten verfügt, der kann sich jetzt über die Vollblüte der Kamelien, aber auch der Rhododendron-simsii-Hybriden freuen. Die als „Indische Azaleen“ bekannten, in großen Mengen in der Winterszeit angebotenen Topf-Rhododendren halten am besten aus, wenn sie in kühler, luftfeuchter Umgebung kultiviert werden. Im Mai werden sie in abgeblühten Zustand einfach in den Halbschatten zwischen Terrassenpflanzen oder an der Hausnordseite in Pflanzkübel gestellt, wo sie sich rasch erholen und bis zum Herbst wieder zahlreiche, neue Blüten ansetzen. Eigentlich sind sie viel zu schade zum Wegwerfen, doch den meisten macht die Haltung als „Wohnzimmerpflanze“ den Garaus, denn warme, trockene Luft mögen sie gar nicht.

Im letzten Jahr haben wir zum ersten Mal eine Gruppe Kapkörbchen (Dimorphotheca) vor dem nahenden Winter in das frostfreie Kalthaus gerettet und einen vollen Blütenerfolg im Februar und März erzielt. Die Blütenpracht dieser südafrikanischen Pflanze ist an kurze Tage gebunden und enttäuscht daher im Sommer, wo sie eher blühfaul ist. Ein Versuch zur Überwinterung gesunder Pflanzen kann aber unbedingt empfohlen werden und ist eine wunderbare Einstimmung auf die bald einsetzende Blütenpracht im Freiland.

Von Rolf Callauch

Der Autor ist Kustos im Neuen Botanischen Garten der Universität Göttingen.

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