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Zerstörte Muse in Wibbecker Werkstatt

Der Künstler Erhard Joseph restauriert Figuren-Ensemble von Eberlein Zerstörte Muse in Wibbecker Werkstatt

Erhard Joseph lebt auf einem Hof in Wibbecke. In mehreren Gebäuden auf dem Gelände hat er Ateliers untergebracht, in einer der Werkstätten steht derzeit eine beeindruckende Figurengruppe. Der Künstler und Steinmetz Joseph schließt gerade die Restaurierung eines Ensembles des Malers und Bildhauers Gustav Eberlein ab.

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Nahezu vollständig: Erhard Joseph nach drei Monaten Arbeit an der Eberlein-Skulptur.

Quelle: Mischke

Stolz steht die Frauenfigur auf ihrem Streitwagen. Den Arm mit dem Thyrsosstab hat die Muse der Tonkunst und lyrischen Poesie, in den Himmel gereckt. Gezogen wird der Wagen von drei Panthern, deren Leinen die Figur in der Hand hält. „Euterpe, von Panthern gezogen“, hat der Maler und Bildhauer Gustav Eberlein (1847 – 1926) das Ensemble genannt, das er um 1890 gestaltete. In den 1960er Jahren hatten Mitarbeiter des Hann. Mündener Bauhofs diese wie auch zahlreiche andere Eberlein-Skulpturen zerschlagen und als Füllmaterial unter die Fußbodendielen geschüttet, erklärt Erhard Joseph. Der Künstler und Restaurator lebt in Wibbecke und hat den Auftrag erhalten, das zerstörte Ensemble zu restaurieren – es sei seine rund 70. Eberlein-Restaurierung, sagt Joseph.

Das Gerüst war bereits zusammengesetzt, als Joseph mit seiner Arbeit begann. Wie ein Puzzle haben Kunsthistoriker in Hann. Münden die weniger als faustgroßen Brocken sortiert und vor allem die Figur, die Euterpe, grob zusammengefügt. Der Rest des erhaltenen Materials kam in Kartons. Drei Monate hat Joseph an dem Rumpfwerk gearbeitet, hat passende Stücke gefunden und eingearbeitet. Joseph: „Man tastet sich von einem Teil zum anderen.“ Doch vollständig ließ sich das Kunstwerk nicht mehr komplettieren. Viele Stellen musste Joseph nachmodellieren. „Das ist keine Restauratorenarbeit“, sagt Joseph, „die meisten könnten das gar nicht.“ Es habe so viel gefehlt, was nachmodelliert werden musste, das könne nur ein Bildhauer bewältigen.

Wie Grünspan

Deutlich kann beim derzeitigen Bearbeitungsstand zwischen den Originalelementen und den von Joseph nachgearbeiteten Teilen unterschieden werden. Die Ursprungsteile sind von einer Schicht überzogen, die an Grünspan erinnern soll, Josephs Eingriffe leuchten so weiß wie der Gips, den Joseph verwendet hat. Dieses Material werde nicht wie sonst üblich mit Wasser verrührt, sondern lediglich eingeschlemmt, erläutert der Bildhauer. Mit einem Spachtel wird die Masse dann aufgetragen, mit einem Haarpinsel modelliert, bevor die Eberlein-Brocken wieder freigelegt werden.

Die größten Probleme hatte Joseph mit den Rädern des Streitwagens und den Panthern, die das Gefährt ziehen. Diese Elemente hatte Joseph nur als Bruchwerk erhalten. Also suchte er Abbildungen des Werkes, nach denen er das Original nachmodellieren konnte.

Das restaurierte Werk soll möglichst Ende August nach Wiesbaden gebracht werden. Auf dem Dach des dortigen Staatstheaters stehen vier monumentale Skulpturengruppen nach Eberleins Entwurf. Diese Werke wurden gerade restauriert, jetzt soll auch der Entwurf in dem Theater ausgestellt werden. Ein Problem muss Joseph bis dahin noch lösen: Beim Transport vibriert der Stab, Euterpes Hand reißt ein. Joseph kann auch das nicht erschüttern.

Von Peter Krüger-Lenz

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