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Regional Zingsheim mit neuem Programm im Apex
Nachrichten Kultur Regional Zingsheim mit neuem Programm im Apex
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00:18 22.09.2017
„aber bitte mit ohne“ heißt das neue Programm von Martin Zingsheim. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Besitzstreben und Konsumrausch waren gestern. Heute ist Verzicht der wahre Luxus.

Aber man kann trotzdem alles haben. Alles mit ohne. Kabarettist und Comedian Martin Zingsheim kennt sich aus. Die Vorpremiere seines Stand-Up-Programms „aber bitte mit ohne“ hat er im Göttinger Apex präsentiert.

Auf wenigen ausgesuchten Kleinkunstbühnen stellt Martin Zingsheim dieser Tage sein brandneues Programm vor. Das Göttinger Apex gehört auch dazu. Etwa 60 bis 70 Zuschauer kamen am Montag zur Vorpremiere.

So geht es nun darum, mehr haben zu wollen, und zwar „mehr weniger“. Verzicht ist angesagt, und der neue Trend ist auch schon in Göttingen angekommen. „Viele hier im Saal haben schon angefangen, machen seit Jahren weniger Sport, dafür mehr Salat.“ Schallendes Gelächter. Die erste Hürde ist genommen. Zingsheim hat sein Publikum schon nach etwa zwei Minuten in der Tasche. Das läuft.

Der junge Mann aus Köln übt auch selbst Verzicht. Der promovierte Musikwissenschaftler und Philosoph verzichtet in seinem dritten Soloprogramm auf Musik. Wenn man sein zweites Programm „Kopfkino“ gesehen und den hervorragenden Musiker und Komponist erlebt hat, scheint im ersten Moment etwas zu fehlen. Sei᾽s drum. Der fein tarierte Wortwitz, sein intuitives Gespür für Timing, die spielerische Art zu erzählen – Zingsheims ausgeprägte Musikalität findet sich auch in seinen Texten wieder.

Vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2015 und dem „Salzburger Stier“ 2016, zudem jahrelang als Musiker mit Sebastian Pufpaff („heute-show“) und dem „Bundeskabarett“ unterwegs, weiß Zingsheim einfach, wie es geht. Mit arglosem Gesicht und mitunter spitzbübischem Grinsen lässt er genau auf der Trennlinie zwischen Kabarett und Comedy seine eigenwilligen Gedanken laufen. Und das mit sehr hoher Pointendichte und oftmals in aberwitzigem Tempo.

Politisches ist erst auf den zweiten Blick in seiner Hintergründigkeit erkennbar. Die Alltäglichkeiten, die Zingsheim geistreich und mit Vergnügen in Frage stellt und deren Absurditäten er genüsslich nachwirken lässt, sind von gesellschaftspolitischer Relevanz.

Veganes Essen, religiöse Klischees, Rituale des Bildungsbürgertums und Technikgläubiger, Karnevalsbrauchtum, Rechtspopulismus und Elternalltag. Seine Themen sind vielschichtig und sein Publikum kann sich auch fast überall selbst wieder finden. Mal als Beobachter, mal als Kritiker oder als Akteur ertappt. Und wenn Zingsheim herunter rattert, welche Versatzstücke, von Ironie und Sozialkritik bis zu Themen wie Jugend und Überwachungsstaat zum politischen Kabarett nötig sind („AfD können Sie immer bringen“), weiß man, dass er auch dieses Genre beherrscht, die Spitzzüngigkeit, das Wissen und den regen Geist mitbringt.

Zingsheim setzt seinen Spott und seine Spitzen so überraschend, locker, beiläufig und hintergründig, dass er seine Zuhörer damit um so unvermittelter trifft. Intelligent, schräg, böse und vor allem frech und unverbraucht – die Premiere Mitte Oktober im renommierten Kölner „Senftöpfchen“ kann kommen. Großer Applaus, großartig.

Von Karola Hoffmann

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