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Regional Zünftige Stimmung mit dem Ensemble „Barokksolistene“
Nachrichten Kultur Regional Zünftige Stimmung mit dem Ensemble „Barokksolistene“
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15:08 10.09.2017
Das norwegische Ensemble „Barokksolistene“ bei den Niedersächsischen Musiktage 2017. Quelle: Jörg Linnhoff
Nörten-Hardenberg

Die bekannten englischen Pubs, auch Tavern oder Alehouse genannt, sind seit dem Mittelalter ein zweites Zuhause für die Engländer. Als im späten 17. Jahrhundert die Theater aus religiösen Gründen geschlossen wurden, haben viele arbeitslose Künstler die Alehouses in sogenannte „Music-Houses“ umgewandelt. Dort versammelten sich Musiker, wie auch Henry Purcell, um für das bierlaunige Publikum aufzuspielen.

Dieser Tradition folgt auch das Ensemble „Barokksolistene“ unter der künstlerischen Leitung des norwegischen Barockviolinisten Bjarte Eike mit ihrem stimmungsvollen Programm „An Alehouse Session“. Dazu verwandelten sie das Atrium des Gräflichen Landsitzes in Nörten-Hardenberg in einen urigen englischen Pub des späten 17. Jahrhunderts und den Besuchern wie auch den Musikern wurde reichlich Ale gereicht. Und es sollte ein ganz besonderer Konzertabend werden.

Bunte Mischung aus Folk-Tunes, Seemannsliedern und Purcell

Auf dem Programm steht eine bunte Mischung aus traditionellen Folk-Tunes, Seemannsliedern sowie der Musik von Purcell. Begleitet wird Violonist Eike, der in charmant gebrochenem Deutsch den Abend humorvoll moderiert, von einem siebenköpfigen Ensemble. Diesem gehören Milos Valent, Geige und Gesang, Per Buhre, Viola und Gesang, Fredrik Bock, Barockgitarre, Johannes Lundberg, Kontrabass, Hans Knut Sveen, Harmonium, Steven Player, Gitarre und Tanz sowie Helge Norbakken an der Percussion an.

Während Norbakken auf der Bühne schon mal am bereitgestellten Ale schnuppert, kommen die anderen Musiker spielend aus verschiedenen Richtungen zusammen. Henry Purcells Titel „Hole in the wall“ ist dem gleichnamigen ältesten und kleinsten Pub Englands gewidmet. „Herzlich willkommen in dieser Bierstube“ begrüßt Eike zünftig das Publikum und es wird erst mal angestoßen.

Quelle: Jörg Linnhoff

Mit Purcell geht es weiter. Das Stück führt über in eine tänzerische Melodie. Mitten im Lied verharrt das gesamte Ensemble ganz plötzlich, begleitet von eindringlich mimischer Darstellung, wie eingefroren, um dann zuerst wie mit einer falschen Umdrehungszahl abgespielt zeitlupenartig das Tempo langsam wieder atemberaubend anzuziehen.

Schauspielerische und solistische Einlagen

Das Publikum reagiert mit euphorischem Applaus und wird prompt in ein Aufwärmmitmachprogramm eingebunden. Dann darf es zum A-capella Seemannslied „Haul away Joe“ kräftig mitsingen. Auf der Bühne sind alle Musiker ständig in Bewegung und verbinden ihre große Musikalität immer wieder mit schauspielerischen und solistischen Einlagen. Gitarrist Steven Player glänzt mit humorigen Ausführungen über die Geschichte des Whiskeys und herrlich schrägen Tanzeinlagen. Norbakken reißt die Besucher mit einem sehr körperbetonten furiosen Percussion-Solo förmlich von den Sitzen.

In einem „Travel Set“ reihen sie Melodien des 18. Jahrhunderts aus Norwegen, Schottland, Dänemark und der Slowakei aneinander. Es gibt einen bewegenden „Lament für ein totes Barmädchen“, den Per Buhre mit hoher, tragender Gesangseinlage vorträgt. Mit begeisternd virtuoser Spielweise bringt das Ensemble dem Publikum Barockmusik und traditionelle Folksongs auf verblüffend unterhaltsame Art nahe.

Das gesamte Ensemble bereitete den Besuchern einen vergnüglichen, hochmusikalischen und unvergesslichen Abend, der zu Recht mit langanhaltendem stehendem Applaus bedacht wurde.

Von Jörg Linnhoff

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