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Zwei Künstler und der Charme der Natur

Kunst-Sequenzen Zwei Künstler und der Charme der Natur

Ausgerechnet unter dem Titel von Goethes außergewöhnlichem Roman „Wahlverwandtschaften“ steht die Kooperation der Kunstschaffenden Mina Farjadi und Werner Henkel im Weißen Saal des Göttinger Künstlerhauses.

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Verarbeiten natürliche Materialien in ihrer Kunst: Werner Henkel und Mina Farjadi.

Quelle: Pförtner

Sie eröffnen mit ihrer Ausstellung „Bilder und andere Gewächse“ ein Projekt der Reihe „Kunst-Sequenzen“ bei dem die Arbeiten eines Künstlers aus der Region denen eines Kollegen aus einem anderen Teil Deutschlands gegenüber gestellt werden.

Farjadi aus Göttingen und Henkel aus Bremen haben sich beide einem Hobby verschrieben, das viele aus ihrer Kindheit kennt. Sie pressen Pflanzen. Allerdings bewegen sich die Produkte ihrer Arbeit auf einer ganz anderen Ebene als der des unbedarften Amateurs.

Das Metier der gelernten Göttinger Architektin ist das Spiel mit den Elementen, die verschiedensten Stoffe gehen in ihren Werken „Wahlverwandtschaften“ ein. Gepresste Blumen, Ausschnitte bedruckten Papiers, Garn, Schreibmaschinenbuchstaben, Tackernadeln oder Kronkorken finden Platz in ihren „Mixed Media“-Collagen, die sie „Süd Kalifornia“ oder „Bildung“ nennt. Kleinformatig bleibt sie dabei, sodass der Betrachter nah herantreten muss, um den Zauber des organischen Kosmos zu entdecken. Das allerdings sind für Farjadi „Experimente“ mit denen sie selbst noch ein wenig hadert, die Favoriten der gebürtigen Perserin sind die „Landschaftsbilder“. Inspiration hierfür findet sie auf Wanderungen durch die Wälder Göttingens, im Botanischen Garten oder in „Flashbacks“ ihrer Gedanken an die grünen Küsten des Kaspischen Meeres oder den Persischen Golf.

Die natürlichen Materialien belässt sie dabei in ihrem ursprünglichen Zustand. Allein durch Schichtklebung der Blätter und Pflanzen entstehen faszinierende epische Kleinode zwischen den winzigen Rahmen.
Henkel arbeitet großformatiger, aber nicht weniger originell. Keine Idee hat der Bremer bisher unversucht gelassen und so der Natur Künstlerisches entlockt. Kiwi- oder Weinblätter auf Acryl, Bananenschale auf Karton oder Gräser zwischen Transparentpapier, keine schreienden Farben stören den Kontext, in den Henkel sein gesammeltes Material stellt. Mit samt ihrer verästelten Oberfläche und verwachsenen Form stellt der Naturkünstler die Pflanzen bewusst ins Zentrum seiner Bilder. Die Nähe zur „natura morta“, zum Stillleben, weist er dabei von sich. Im Auftrag der Kunst greift er dabei auch furchtlos zur Schere und lässt aus Blättern Tierschädel entstehen. Mit Ölkreide, Tusche und Graphit kreiert er aus den Strukturen anatomischen Zwischenwelten. Fraßspuren, Schimmel oder andere, vermeintlich schadhafte Einflüsse sind für Henkel kein Grund zum Aussortieren des Materials. Gerade das, sagt der Mann, der gerade 1400 Orangenschalenquadrate in seinem Atelier trocknet, sei für einen Künstler interessant.

Bis Sonntag, 1. Mai, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Die nächste Schau in der Reihe Kunst-Sequenzen mit Werken von Leena Krüger und Ursula Krämer wird am Donnerstag, 5. Mai, um 19 Uhr eröffnet.

Von Anna Kleimann

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