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Zwischen Komik und Klamauk

Puppentheater Zwischen Komik und Klamauk

Ganz großes Varieté-Theater erlebten die Besucher der Bert-Engel-Show im Göttinger Apex. Puppenspieler Detlef Wutschik und Kabarettist Matthias Brodowy gelang es mühelos zwei Genres miteinander zu verweben ohne deren Eigenständigkeit zu demontieren.

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Bert Engel und seine Crew: Detlef Wutschik (hinten) und Matthias Brodowy.

Quelle: Heller

Puppe Bert Engel, Geburtsjahr 1912, ist, neben Johannes Heesters, einer der letzten großen Entertainer unserer Zeit, ein Charmeur der alten Schule, ein Grandseigneur der Unterhaltungsbranche. Sicher, sein Katheter muss während der Show neu gelegt werden und sein Leben verdankt er der Kraft der zwei Schrittmacher, aber das kann den großen Mann der Abendunterhaltung nicht schrecken. Er muss raus, rauf auf die Bühne. Dabei tut er es nicht für Geld, sondern „allein für das Lächeln einer schönen Frau“, und verteilt rote Tulpen an die Damen in der ersten Reihe.

Wutschik verleiht seinen lebensgroßen Figuren Körper, Gestik und vor allem Würde und Seele. Charmant lässt er den Altmeister granteln und weist seinen kongenialen Gegenpart in die hohe Kunst des Entertainments ein. Brodowy gibt den Auszubildenden, den Lückenbüßer und den Hilfsansager.
Ständig besorgt um das gesundheitliche Wohlbefinden seines Lehrherren, muss er auch dessen Gedächtnislücken füllen. Und das macht er hervorragend. Mit Witz und Augenzwinkern präsentiert er seine Couplets am Klavier. Herrlich wie er den nicht anwesenden Magier „Fauxpas“ ersetzt. Das Publikum wiehert vor Vergnügen als er die Arm-Guillotine (Modell Marie-Antoinette) mit dem „Pinökel A“ justiert und die „Kontrollmöhre“ zerteilt. Anrührend der Auftritt von Werner Momsen, Mitglied im Gesangsverein „Rauhe Kehle Altona“, der seiner Frau Lisbeth ein Liebeslied singen darf. Auch Ilse Werner, von Engel verehrt („wurde ihm aber leider von Hans Albers weggeschnappt“), hat ihren Auftritt: in einer Urne.

Wutschik und Brodowy wagen mutig den Spagat zwischen Komik und Klamauk. Etwa, als der große Showmaster aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 erzählt, die er bei Auftritten „mit fröhlichen Menschen“ auf einem Luxusliner verbrachte. Wutschik lässt Bert aus Briefen seiner Mutter („die braunen Schergen machen hier alles kaputt“) zitieren. Tatsächlich scheint die Stimmung „im Keller“ und schnell kokst sich Engel die nötige Inspiration mit der Asche von Ilse Werner rein und fegt zur Musik von „Rammstein“ über die Bühne.

Schön schräg gelingt der Liebestanz der Würgeschlangen Robbie und Nicole mit Wutschik und Brodowy als Puppenspielern. Doch auch der größte Theaterabend muss ein Ende haben. Mit einer Steptanzeinlage verabschiedet sich Bert gemäß dem Motto: „Wer am schönsten ist sollte gehen.“

Von Christoph Mischke

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