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00:19 18.09.2017
Blick auf die übereinandergestapelten Kanalisationsröhren des Künstlers Hiwa K, die unterschiedlich ausgestattet und von innen beleuchtet sind. Quelle: dpa
Kassel

Wegen der Vorwürfe einer finanziellen „Katastrophe“ der Documenta 14 haben sich deren Team und ihr künstlerischer Leiter Adam Szymczyk jetzt an die Öffentlichkeit gewandt: Szymczyks Konzept einer Documenta an zwei Orten, in Kassel und Athen, sei bereits 2013 „sämtlichen verantwortlichen Parteien gegenüber deutlich kommuniziert worden“. Trotzdem seien seit Sommer 2016 „keine zusätzlichen Mittel für notwendig befunden“ worden, heißt es in der vor dem Finale der Kunstschau an diesem Wochenende publizierten Erklärung.

Damit reagierte Szymczyk auf die von Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle bestätigten Berichte, dass die Stadt und das Land Hessen den Betrieb der Megaschau mit Bürgschaften von sieben Millionen Euro sichern mussten. Geselle hatte erklärt, seit Ende August von dem Finanzloch zu wissen.

Zeitversetzt an zwei Orten: Athen und Kassel

Nach Darstellung von Szymczyk und seinem Team ist indes schon viel länger klar, dass die Documenta nicht auskömmlich finanziert sei. Es liege auf der Hand, dass eine Kunstschau, die statt an einem an zwei Orten, die überdies zeitversetzt startet und damit 163 Tage dauert, mehr Geld kostet als die vorangegangene Documenta.

Die Documenta 13 hatte vor fünf Jahren 905000 Besucher gefunden und gilt damit als die erfolgreichste in der 62-jährigen Geschichte dieser dieses Ausstellungsformats. Die Vorfinanzierung der Kunstschau durch Stadt, Land und die Kulturstiftung des Bundes lag bei 18,5 Millionen Euro, etwa dieselbe Summe sollte durch Ticketverkäufe hinzukommen.

850 000 Tickets für Kassel verkauft

Zwar sollen Besucherzahlen erst nach Ausstellungsende veröffentlicht werden, doch jetzt verlautete bereits, für die Documenta seien in Kassel 850 000 Tickets verkauft worden. In Athen habe man 330 000 Besuche gezählt. Dort war allerdings der Eintritt frei, so dass sich die Besuche nicht in Einnahmen niedergeschlagen habe. Außerdem, betonte ein Sprecher der Stadt Kassel, lasse sich wegen möglicher Mehrfachbesucher keine Gesamtzahl ermitteln.

Die Kunstausstellung in Nordhessen wird von finanziellen Problemen der documenta gGmbH überschattet. Laut Medienbericht fehlen sieben Millionen Euro. Die Stadt Kassel und das Land Hessen als documenta-Gesellschafter haben angekündigt, eine Bürgschaft zu prüfen. Informationen zur finanziellen Schieflage der Ausstellung sollen nach der nächsten Aufsichtsratssitzung am 21. September veröffentlicht werden.

Buergel sorgt sich um Unabhängigkeit

Der frühere künstlerische Leiter der documenta Roger M. Buergel fürchtet um die Unabhängigkeit der finanziell angeschlagenen Kunstausstellung in Kassel. „Meine Angst ist, dass jetzt politischen Interventionen die Tür geöffnet ist“, sagte Buergel am Freitag. Das „Konstrukt documenta“ sei in Gefahr. Der Direktor des Züricher Johann Jacobs Museums war für die documenta 12 im Jahr 2007 verantwortlich.

Bisher habe die künstlerische Leitung einen hohen Grad der Autonomie gehabt. „Die Politik hat nie reingepfuscht, der Aufsichtsrat hat sich vornehm zurückgehalten“, erklärte er. Das dürfe sich durch den Konflikt um die aktuelle documenta 14 nicht ändern.

„Riskante Projekte muss es immer geben“, sagte Buergel. Sonst verliere die Ausstellung ihren Reiz.

Auch bei der documenta 12 gab es laut Buergel Probleme: Man brauchte mehr Geld, um einen Pavillon in der Aue zu finanzieren. „Da hatten wir Diskussion mit Politikern, ob die Stadt dafür gerade steht, wenn das in die Hose geht.“ Das sei aber vorher besprochen worden. Am Ende war es unnötig: Die documenta 12 schloss mit einem Plus ab.

Abgabe von Pflanzen und Büchern

Zum Ende der documenta 14 sollen Pflanzen an Besucher verschenkt werden. Am Sonnabend und am Sonntag finde von 11 bis 16 Uhr bei der „Living Pyramid“ der Künstlerin Agnes Denes im Nordstadtpark ein „Give-away“ statt, heißt es in der jüngsten Ausgabe der documenta-Zeitung. Die im Grundriss rund neun mal neun Meter umfassende und ungefähr ebenso hohe Pyramide wurde mit unterschiedlichen Pflanzen und Gräsern bepflanzt, die im Laufe der 100 Tage zum Teil deutlich gewachsen sind.

Von Daniel Alexander Schacht und Göran Gehlen

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