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Regional Dramatiker-Wettbewerb des studentischen Theaters im OP
Nachrichten Kultur Regional Dramatiker-Wettbewerb des studentischen Theaters im OP
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19:57 29.04.2014
Erwischt: Esteban (A. Posnjakova, links) und Gabriel (M. D. Werner), abgeführt von PK Lottmann (Christopher Seltmann). Quelle: Opitz
Göttingen

Daniel Ratthei und Michael Wolf haben Stücke geschrieben, in denen wenig auf Regeln geachtet wird. Beide haben den Nachwuchsdramatiker-Wettbewerb des studentischen Theaters im OP (ThOP)  gewonnen. Zu dem Thema „Nach dem Fall“ suchte die Bühne nach jungen Talenten, die noch kein Bühnenspiel publiziert hatten. Zur Siegerehrung im vollbesetztem ThOP wurden beide Stücke uraufgeführt.

„Junge, das kannst du mir doch nicht antun. Ich habe dich unter Schmerzen geboren“, lässt Ratthei eine Mutter jammern. Ein Elternspruch, der dem Nachwuchs peinlich ist: „Reiß dich zusammen, Mama!“ Das Stück „Die Opelbande oder Ich jagte den Diamanten-Hai “ erzählt vom 15-jährigen Gabriel Wenzke, gespielt von Myrtha Dorothee Werner, der mit Kumpel Esteban Krüger Autos stiehlt. Bis etwas schiefgeht. Sie landen im Gefängnis. Draußen war Freiheit und Rausch. Drinnen herrscht Langeweile.

Ein ernstes Stück

Regisseur Roman Kupisch lässt seine Darsteller rennen, stampfen und zetern. „Du bist so cool, dass du nicht mal mehr normal reden kannst. Nur noch auf Neandertalerniveau“, kläfft Krüger, überzeugend gespielt von Anastasia Posnjakova, seinen Kumpel Wenzke an. Doch auch wenn die Kommunikation zwischen beiden von Beleidigungen geprägt ist, schaffen es die  Darstellerinnen, ihren Figuren die gegenseitige Wertschätzung glaubhaft zu zeigen. Eine Zerrissenheit, die sich durch das ganze Stück zieht.

Mit „Die Opelbande oder Ich jagte den Diamanten-Hai“ hat Ratthei ein ernstes Stück geschrieben, das mit langem Applaus vom Publikum honoriert wird. Das weckt Erinnerungen, denn Ratthei ist beim ThOP kein Unbekannter. Schon beim letzten Nachwuchsdramatiker-Wettbewerb gehörte er zu den Siegern. „In den vergangenen zwei Jahren ist viel passiert. Es geht in die richtige Richtung“, sagt der Autor.

„Der Kranich ist einfach viel zu heutig“, bemäkelt Tina Schunder als überkandidelte Theaterausstatterin Stefanie im zweiten Gewinnerstück „Das Theater und Grausamkeit“. Regie führte Andreas Hey. Autor Wolf erzählt vom Treiben am Theater und der Exzentrik seiner Macher. Bei einer Probe stirbt ein Schauspieler. Vorerst, denn dann finden die schrillen Theatermacher heraus, dass sie sich selbst in einem Stück befinden. Da sitzt der totgeglaubte Benjamin, gespielt von Christopher Seltmann, quicklebendig an der Theaterbar und zwitschert ein Bier nach dem anderen.

Großer Beifall vom Publikum

In Wolfs Stück hält sich niemand an die Regeln. Dramaturgin Doris, gespielt von Kerstin Kratzsch, greift nach der Macht, als sie erkennt, dass sie selbst nur eine Schauspielerin in einem Stück ist. Sie streitet sich mit dem Autor,  entreißt ihm seinen Text und schreibt ihn kurzerhand um, bis die schüchterne Regieassistentin Sandra, gespielt von Jewa Kogan, Amok läuft. „Doris, lies mal Seite 21 unten vor, schön laut!“, fordert mit gezückter Waffe Sandra. „Die Regieassistentin erschießt den Regisseur“, liest Doris, dann fällt er schon zu Boden.

„Das Theater und Grausamkeit“ ist ein Stück voller kluger Komik, das großen Beifall vom Publikum erhält. Und beide Siegertexte zeigen eines deutlich: Gute Geschichten lassen sich am besten über Figuren erzählen, die sich nicht an die Regeln halten.

Von Daniela Lottmann

Weitere Vorstellungen: am Mittwoch sowie am 2., 3., 6., 7., 9. und 10. Mai im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3 in Göttingen. Kartentelefon: 05 51 / 39 70 77.

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