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Regional Uraufführung: Zwei Kurzopern von Claude Debussy in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Uraufführung: Zwei Kurzopern von Claude Debussy in Göttingen
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20:29 06.12.2013
Göttingen

Nun ist er nach Göttingen gereist, um den Proben und der Aufführung des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) beizuwohnen, das „Der Untergang des Hauses Usher“ und „Der Teufel im Glockenturm“ unter der Leitung des Chefdirigenten Christoph-Mathias Mueller in der Stadthalle zur Aufführung bringen wird.

Orledge muss nicht laut sprechen, damit man ihm Gehör schenkt. Mit ruhiger Stimme bespricht er bei der ersten Probe die besonderen Tücken der beiden Werke. Allen an der Uraufführung Beteiligten ist klar, dass es nur sehr wenige Personen auf der Welt gibt, die über ein genauso intimes Wissen über den französischen Impressionisten Debussy (1862-1918) verfügen dürften.

Um das zu erlangen, hat Orledge die Briefe des Komponisten detailliert studiert: „Man muss wie Debussy denken, wenn man sein Werk rekonstruieren will. Das habe ich durch die Lektüre seiner Briefe versucht“, sagt Orledge, der sich selbst als „kreativen Musikwissenschaftler“ bezeichnet.

Kein Eigenlob sondern Notwendigkeit

Wer die Quellenarbeit des Musikologen betrachtet, merkt schnell, dass diese Bezeichnung kein Eigenlob, sondern eine Notwendigkeit darstellt. Debussys Lebensumstände waren in der Entstehungszeit beider Opern privat und finanziell prekär, der Komponist hat von „Usher“ nur Fragmente für seinen persönlichen Gebrauch hinterlassen.

Vom „Teufel im Glockenturm“ sind sogar nur 70 Takte überliefert. Hat Debussy für „Usher“ noch ein eigenes Libretto geschrieben, musste der Schriftsteller Stephen Wyatt nach Skizzen des Komponisten für die zweite Kurzoper ein eigenes Libretto erstellen. Wyatt ist anscheinend ein Tausendsassa: Er schrieb unter anderem auch zwei Folgen für die Fernsehserie „Dr. Who“.

Orledge hat sich von der Quellensituation ebenfalls nicht abschrecken lassen und seine Rekonstruktion fast ausschließlich auf Material begründet, das Debussy selbst geschrieben hat.  Eher wirkt er vom unvollendeten Entstehungsprozess sogar fasziniert: „Debussy schrieb, dass er von den Personen der Erzählungen Edgar Allan Poes regelmäßig besucht wird. Man spürt bei ihm sogar einen gewissen Unwillen, das Stück zu beenden. Es war für ihn auch eine willkommene Flucht“.

Das Projekt, das Mueller nach Göttingen geholt hat, ist also nicht nur von musikgeschichtlicher Relevanz – es zeigt auch neue Facetten eines Komponisten, dessen Charakter, so Orledge, „den Schichten einer Zwiebel glich“.

Die Opern werden am Dienstag, 10., und Mittwoch, 11. Dezember, um 19.45 Uhr in der Stadthalle, Albaniplatz 2, aufgeführt.

Karten gibt es unter anderem in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Jüdenstraße 13c, und in Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11.

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